Montag, 17. Dezember 2018

MLP Vom Glück verlassen

Seit dem Aufstieg in den Dax läuft es bei dem Finanzdienstleister nicht mehr rund. Vorstandschef Termühlen hat noch nicht recht begriffen, dass er nun in einer anderen Liga spielt. Eine neue Führungsstruktur muss her - andernfalls droht der Abstieg.

 In der Defensive: MLP-Gründer Lautenschläger und Konzernlenker Termühlen (im Bild) brauchen derzeit gute Nerven
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In der Defensive: MLP-Gründer Lautenschläger und Konzernlenker Termühlen (im Bild) brauchen derzeit gute Nerven

Immer schon brachte Bernhard Termühlen (46) öffentliche Auftritte nur mit großem Widerwillen hinter sich. Doch dieser Maiabend im "Schlosshotel Kronberg" muss für den Chef des Finanzdienstleisters MLP eine besondere Qual gewesen sein.

Termühlen schien noch tiefer in sich gekehrt als sonst. Kurz vor Mitternacht, bei einem Glas Cognac, überkamen ihn Selbstzweifel. Mehr mit sich selbst als mit seinem Gegenüber beschäftigt, fragte er sich: Wie lange hält meine Glückssträhne? Bin ich noch der richtige Mann an der Spitze?

Er wusste, dass ihm gewaltiger Ärger bevorstand. Am nächsten Morgen würde das Anlegerblatt "Börse Online" auf seinem Schreibtisch liegen, MLP kreative Buchführung vorwerfen und auflisten, wie viel Schulden der Finanzdienstleister außerhalb seiner Bilanz aufgetürmt haben soll.

Schlechte Einflüsse
Kursentwicklung der MLP-Aktie im Vergleich zum Dax
Termühlen war auf einiges gefasst. Doch was dann über ihn hereinbrach, übertraf seine schlimmsten Befürchtungen. Bis Mitte Juni büßte MLP Börsen-Chart zeigen etwa 2,1 Milliarden Euro, mithin knapp 45 Prozent an Börsenwert ein.

In den folgenden Tagen agierte Termühlen wenig souverän. Was immer der Mann anpackte, um den Schaden zu begrenzen er machte es nur noch schlimmer. Vor Presse und Analysten verhedderte er sich in komplizierten Detailfragen. Renommierte Wirtschaftsprüfer, die er angeheuert hatte, um sich in der Hauptversammlung eine korrekte Bilanzierungspraxis bescheinigen zu lassen, sagten kurzfristig ab.

Als besonders ärgerlich, als geradezu ungerecht muss Termühlen es empfunden haben, dass der Kurs immer weiter einbrach - selbst nachdem sich herausgestellt hatte, dass die vermeintlich so heiße Story auf Fehlinterpretationen beruhte.

© manager magazin 7/2002
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