Donnerstag, 16. August 2018

VW Passat W8 Weder Fisch noch Fleisch

Der W8 sieht kaum anders aus als ein gewöhnlicher Passat. Er ist somit weder Mittelklässler noch Chefkarosse.

manager-magazin-Fazit:

Klaus Brandmeyer, Direktor am Genfer Institut für Markentechnik, versucht sich "Menschen vorzustellen, die vor einem Mercedes, Jaguar oder Maybach stehen und sich dann einen VW kaufen". Dieser Prozess, glaubt Brandmeyer, "ist eine sehr schwere Entscheidung".

 W-Bauweise: Der 275-PS-Motor versteckt unter beideren Formen, ermöglicht rasante Beschleunigung
Norbert Michalke
W-Bauweise: Der 275-PS-Motor versteckt unter beideren Formen, ermöglicht rasante Beschleunigung
Einfacher gefragt: Wer gibt rund 50.000 Euro für ein Auto aus, das kaum anders aussieht als die biedere Familienkutsche eines Reihenhausbesitzers?

Nichts gegen die Prioritäten und Bedürfnisse unserer Durchschnittsmitbürger: Aber der Passat W8 ist das Musterbeispiel dafür, dass nicht alles, was sich bescheiden gibt, mit Understatement gleichgesetzt werden darf. Er ist weder Fisch noch Fleisch, weder Mittelklässler noch Hochleistungslimousine.

Unter dem braven Blechkleid steckt zum Teil bemerkenswerte Technik: Die Maschine bietet noble Laufkultur ­ vor allem im Alltag, der erfahrungsgemäß meist aus Kolonnen, Staus und Stadtverkehr besteht. Der obligatorische Allradantrieb bietet Sicherheit auch in der rutschigen Jahreszeit; Lenkung, Bremsen und Fahrwerk erlauben anspruchsvolle Fahrweisen.

Der Verzicht auf jede erkennbare Besonderheit schmerzt aber auch wohlwollende Betrachter: Es ist, als würde ein Eintopf mit Jahrgangschampagner zubereitet. Der Koch weiß um den edlen Gehalt, für den Esser sieht das Gericht dennoch aus wie gewöhnlicher Pichelsteiner.

Technik: Fünfsitzige, allradgetriebene Limousine mit W8-Motor, 275 PS (202 kW) aus 3999 ccm, Fünf-Gang-Getriebe.

Fahrleistungen: Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 6,8 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 250 km/h.

Verbrauch: 19,4 bis 19,5/9,6 bis 9,7/ 13,2 bis 13,3 Liter Superplus/100 km.

Grundpreis: 41.300 Euro.

Serienausstattung: ESP mit Bremsassistent, Klimaautomatik, 17-Zoll-Alufelgen, verchromte Doppelauspuffendrohre, elektrische Fensterheber.

Sonderausstattung (Auswahl): Fünf-Stufen-Automatik mit Tiptronic (1825 Euro), Radio-Navigationssystem mit farbigem Display (2590 Euro), Leder-Recarositze (4130 Euro), Nebelscheinwerfer (142 Euro), Sportfahrwerk (250 Euro), Solar-Schiebedach (1165 Euro).

© manager magazin 3/2002
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