Mittwoch, 7. Dezember 2016

Deutsche Bank Operation Alec

Josef Ackermann bereitet den Machtwechsel vor. Weit ist er mit seinen Plänen noch nicht gekommen.

Hamburg/Frankfurt am Main - Wenn Hilmar Kopper (66) ein dringendes Mitteilungsbedürfnis überkommt, man weiß das bei der Deutschen Bank mittlerweile, geht schnell einmal etwas daneben. So war es auch Anfang Oktober. In New York, fernab von seinem Mitarbeiterstab, fühlte sich der Aufsichtsratsvorsitzende des größten deutschen Geldhauses berufen, seinem Vorstandssprecher Rolf-E. Breuer (63) eine Lektion in Sachen Wirtschaftspolitik zu erteilen.

Rolf-E. Breuer ist alles andere als eine "lame duck"
DPA
Rolf-E. Breuer ist alles andere als eine "lame duck"
"Er hätte das so nicht sagen sollen", bürstete Kopper in einem Interview den Bankchef ab (siehe: "Kopper kritisiert Breuer"). Breuer hatte gemeinsam mit etlichen anderen deutschen Konzernlenkern die Bundesregierung aufgefordert, nach den Terroranschlägen in den USA ein Konjunkturprogramm nach Vorbild der Bush-Administration zu starten. Breuers Vorschlag, so Kopper, liege nicht auf der Linie der Deutschen Bank. Schließlich habe das Institut in den vergangenen 30 Jahren "nie nach Konjunkturprogrammen gerufen".

Wenig später, beim Festakt zum 100. Geburtstag des einstigen Bankchefs Hermann Josef Abs, geriet Koppers Rüffel zum Smalltalk-Thema Nummer eins. Was den Aufsichtsratsvorsitzenden da nur wieder geritten habe, fragte sich die versammelte Hochfinanz. Der vorherrschende Erklärungsversuch: Kopper habe es Breuer nie verziehen, dass der seine Lebensgefährtin Brigitte Seebacher-Brandt (55) aus der Bank gedrängt habe.

Keine Frage, das Verhältnis zwischen Kopper und Breuer gestaltet sich schwierig. Und dabei geht es nicht immer um Privates. Es betrifft auch die Bank. Vor gut einem Jahr peitschte Kopper die vorgezogene Kür von Josef Ackermann (53) zum Vorstandssprecher durch. Breuer war nicht gerade begeistert von der langen Vorlaufzeit. Erst zur Hauptversammlung im Mai 2002 soll der Doppelwechsel stattfinden: Ackermann löst Breuer ab, der Kopper als Vorsitzender des Aufsichtsrats folgt.

Hilmar Kopper und Brigitte Seebacher-Brandt
DPA
Hilmar Kopper und Brigitte Seebacher-Brandt
Viele Mitarbeiter empfinden die 20-monatige Übergangsphase als quälend lang. Zwar trat nicht die befürchtete Lame-Duck-Situation ein. Breuer entfaltete weiterhin viele Aktivitäten, tauschte zuletzt den Versicherer Deutscher Herold gegen den US-Vermögensverwalter Scudder ein, strukturierte die Privatkundensparte um und schaffte das Aktien-Listing an der New Yorker Börse.

Dennoch herrscht Unsicherheit, weil niemand weiß, was Ackermann plant. Viele Führungskräfte vermissen klare Signale von der künftigen Nummer eins. Doch der Schweizer hat sich eisernes Schweigen verordnet, solange Breuer noch im Amt ist.

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