Mittwoch, 14. November 2018

Dorint-Hotels Betten-Boomer

Pomp statt Provinz, Tempo statt Tran - keine andere deutsche Hotelkette expandiert derzeit mit so viel Wucht. Was steckt hinter dem erstaunlichen Aufbruch der einst betulichen Marke?

Der Eingang des neuen Vier-Sterne-Hotels Dorint An der Messe Köln

Durchs neue "Dorint" an der Kölner Messe streicht Herbert Ebertz (60) mit einer Mischung aus Stolz und Schauder. "War sauteuer, das Ganze", bekennt der Aufsichtsratschef und Großaktionär der Hotelkette. Und tätschelt den edlen Granit vor den Aufzügen. "Der kommt aus Ägypten", raunt Ebertz, "italienischer wäre 20 Prozent billiger gewesen."

Wer nach oben will, darf nicht sparen. Dorint will nach oben. Unbedingt.

Keine andere deutsche Hotelkette expandiert derzeit mit so viel Wucht wie Dorint. Und keine zweite ringt so verbissen um ein neues Image.

Jahrzehntelang glich die Hotelgruppe ihrer Heimatstadt Mönchengladbach - weder klein noch richtig groß, weder ruhig noch wirklich lebendig. Jeder kannte Dorint-Hotels. Aber keiner rühmte sich, dort gewesen zu sein. Dorint, das war die verlässliche Herberge fürs beschränkte Budget und treudeutschen Anspruch. Jetzt sind Großaktionär Ebertz und seine Manager angetreten, Dorint zu revolutionieren. Alle paar Monate eröffnen sie neue Häuser, die meisten in besten Lagen, mit vier oder gar fünf Sternen dekoriert.

Sie haben sich viel vorgenommen. Sie wollen mehr als nur den Muff alter Tage vertreiben. Dorint soll in die erste Liga der Hotellerie aufsteigen, gleichauf mit Namen wie Hilton, Hyatt oder Inter-Conti. Und Dorint soll beweisen, dass eine deutsche Kette gegen die globalen Bettengiganten bestehen kann - wenn sie die vermeintlichen Gesetze der Branche bricht.



Herbergs-Hausse
Die zehn umsatzstärksten Hotelgesellschaften in Deutschland*

Gesellschaft Hotels Inland Hotels Welt Umsatz Deutschland (Mio. Mark) Umsatzplus 1999/2000
(in Prozent)
1 Accor (Novotel, Mercure, Ibis) 248 rd. 3600 975,1 +28,2
2 Maritim 36 39 657,9 +7,8
3 Best Western 136 rd. 4200 634 +4,3
4 Dorint 65 83 623,9 +22,3
5 Steigenberger (Steigenberger, Maxx, Intercity) 57 71 552,2 +8,5
6 Marriott (Marriott, Ramada, Ritz-Carlton 36 rd. 2200 550 +4,8
7 Treff 82 97 510 +13,6
8 Six Continents (Inter-Continental, Holiday Inn) 79 rd. 3200 495,2 +13,0
9 Starwood (Arabella, Sheraton) 20 rd. 740 430,5 +15,8
10 Hilton 10 rd. 500 334,1 +11,6
* Mit ausgewählten Marken, 2000.



Herbert Ebertz ist die Seele von Dorint. Vehement wehrt er sich zwar gegen Unterstellungen, er sei der Oberhotelier, "besonders wenn sich mal Bekannte bei mir über ungemachte Betten oder kalte Steaks beschweren". Für Betrieb und Bewirtschaftung, pflegt er dann zu sagen, "bin ich nicht zuständig".

Für den Rest aber schon.

Zu Dorint kam Ebertz als Retter - seines eigenen Geldes. Anfang der 70er Jahre hatte der Rheinländer, im Hauptberuf Finanz- und Immobilienmakler in Köln, einen Ferienpark in der Eifel hochgezogen. 1975 erfuhr er, dass sein Pächter Werner Dornieden, Inhaber der kleinen Hotelkette Dornieden International (kurz: Dorint), vor der Pleite stehe. Ebertz beschloss, Dorint zu übernehmen. Und beging, wie er heute meint, "den Fehler meines Lebens".

Nicht, dass die sechs Dorint-Häuser ein Flop gewesen wären. Den Käufer ärgert vielmehr sein Kleinmut. Nur ein Viertel der Anteile behielt er selbst, den Rest verkaufte er an die Hoteldirektoren und rund ein Dutzend private Investoren weiter, unter ihnen der bekannte Fußballmäzen Jean Löring (Fortuna Köln).

Heute besitzt Herbert Ebertz gemeinsam mit seiner Familie rund 40 Prozent der Dorint AG. Er überwacht als Vorsitzender des Aufsichtsrats das Management. Und vor allem besorgt er frisches Geld für die Expansion.

Die Finanzierung neuer Dorints organisiert in aller Regel ein Unternehmen des Haupteigners, das Kölner Finanzhaus Dr. Ebertz & Partner. Für die neuen Hotelprojekte legt es geschlossene Immobilienfonds auf, die Ebertz an vermögende Privatanleger verkauft. Mindesteinsatz: eine halbe Million Mark; auch Ebertz übernimmt regelmäßig Anteile. Dorint, eine reine Betriebsgesellschaft, pachtet dann die Hotels von den Fonds. 56 der heute 83 Dorint-Hotels fußen auf Ebertz' Emissionen.

Die Doppelrolle des Aufsichtsratschefs erregt zuweilen Argwohn. Als Haupteigner des Pächters und zugleich Vertreter des Verpächters muss er zum Teil widerstrebende Interessen vertreten.

Dorint indes scheint die Mixtur zu bekommen. Die Pachten, sagen Kenner, seien durchaus maßvoll. Und Geld für neue Projekte hat die Allianz aus Dorint und Ebertz allzeit satt aber hat sie auch genügend Ideen, die Geldmaschinerie klug zu nutzen?

Michael Machatschke

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