Freitag, 14. Dezember 2018

30 Jahre manager magazin Die Blattmacher

In 30 Jahren hatte Deutschland vier Kanzler, Daimler fünf Chefs - und mm sieben Chefredakteure.

Noch fünf Monate bis zum erstmaligen Erscheinen des manager magazins - und das Blatt hatte immer noch keinen Chefredakteur. Heinz Streicher, heute 67, der von der Volkswirtschaftlichen Abteilung der BP kam, firmierte im Frühjahr 1971 zwar als mm-Chef, aber er suchte noch einen journalistischen Chefredakteur - und bekam nur Abfuhren.

Irgendwie fand er dann doch bei "Capital" Klaus Recht (62). Der war wirtschaftlich unbeleckt und pflegte einen rauen Umgangston. Recht polarisierte die junge Redaktion: Streich-Orchester gegen Recht-Haber.

Nach zwei Heften, die Recht verantwortet hatte, bat Verlagschef Hans Detlev Becker (80) die Redaktion Ende 1971 zu einer Krisensitzung. Sowohl Recht als auch Streicher mussten gehen.

Aber wer kam? Die Tür ging auf: Leo Brawand (76) stand da ­ "als Retter in der Not" (Branchendienst "Text intern"). Brawand, das "Spiegel"-Urgestein, leitete neun Jahre die mm-Redaktion. Unter ihm etablierte sich das Blatt in der Zielgruppe, aber nicht dauerhaft in der Gewinnzone (siehe "Was macht eigentlich Leo Brawand").

Das schaffte erst Werner Funk (64), der 1981 aus dem "Spiegel"-Büro in New York kam. Funk schielte eigentlich auf den Chefposten beim "Spiegel". Das wurde ihm zunächst verwehrt, er sollte sich erst bei mm bewähren. Funk schaffte die "Controlled Circulation" ab, mm gab es nun auch am Kiosk. Und er holte die großen Unternehmen und Namen ins Blatt. Er redigierte mit lockerer Hand und seinem noblen Füllfederhalter, der in vielen Manuskripten tiefe Spuren hinterließ.

Ende 1985 hatte es Funk geschafft: mm stand glänzend da. Nach diesem Meisterstück durfte er endlich Chefredakteur des "Spiegels" werden.

Funks Nachfolger wurde Dieter Piel (62), der aus dem Hause Gruner + Jahr kam. Der nette Herr Piel war ein Bonvivant, Zigarren rauchend, Cognac schwenkend, mit Redakteuren Skat spielend. Er war zu nett: Ende 1986 wurde Piel zum Konkurrenzblatt "Capital" weggelobt.

Ihm folgte Anfang 1987 ein akribischer Arbeiter: Ulrich Blecke, Gründungsredakteur von mm und zuletzt Chefredakteur des "Industriemagazins". Blecke war gnadenloser Verfechter eines investigativen Journalismus und Qualitätsfanatiker. Er pflügte sich förmlich durch die Texte, setzte kleine Fragezeichen an den Rand der Manuskripte, die er oft in langen Abendsitzungen mit den Redakteuren diskutierte.

Blecke starb im Herbst 1991 im Alter von 50 Jahren an Krebs, den er bis zu seinem Tod der geschockten Redaktion verschwiegen hatte.

Die Kontinuität wahrte sein Stellvertreter und langjähriger Wegbegleiter Winfried Wilhelm (64). Auf Dauer wollte "Willi" aber nicht Chef sein. Er wollte schreiben, nicht Zeilen verwalten.

So kam Anfang 1992 als neuer Chefredakteur Peter Christ (53) von der "Zeit". Auch er war ein ehemaliger mm-Mann. Drei Jahre führte Christ geräuschlos die Redaktion. Dann drängte es ihn wieder in die Niederungen der Tagesaktualität, erst als Chefredakteur der "Badischen Zeitung", nun der "Sächsischen Zeitung".

Seit November 1994 ist nun Wolfgang Kaden (61), langjähriger Ressortleiter Wirtschaft und zuletzt Chefredakteur des "Spiegel", an der Spitze von mm.


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