Sonntag, 16. Dezember 2018

Pharmaaktien Produktpipeline - das zweite Kursrisiko

"Produkte in der Entwicklung sind wie die eigenen Kinder", sagt Tadataka Yamada, Forschungschef beim Weltmarktführer GlaxoSmithKline. Die beste Gelegenheit für Investoren, sich über die Fortschritte und das Wohlbefinden der Kinderschar zu informieren, sind die so genannten Forschungs- und Entwicklungstage.

Einmal im Jahr präsentieren Pharmaunternehmen dort ihre Produktpipeline, dass heißt, sie stellen ihre wichtigsten Projekte vor. Es ist ein - immer kursrelevanter - Blick durchs Schlüsselloch. Ist die Pipeline voll, profitiert die Aktie. Das Schering-Papier zum Beispiel bekommt im Frühsommer regelmäßig einen kleinen Schub. Insider wissen: Es war Schering-Forschungstag, und das Management hat wieder alles eingehalten, was es im Vorjahr versprochen hatte.

Volle Pipelines bei den Pharmakonzernen
Nicht alle Gesellschaften aber haben eine derart hohe Erfolgsquote wie Schering. Häufig kommen Innovationen nicht über die letzte Entwicklungsstufe hinaus (Phase drei). Gelegentlich müssen sogar bereits zugelassene Medikamente wieder vom Markt genommen werden.

Für Pharmakonzerne ist das ein Desaster. In ein fertiges Arzneimittel wurden circa 500 Millionen Dollar investiert. Hinzu kommen Umsatzausfälle und Imageverlust. Der Aktienkurs bricht meistens ein.

Ein Unternehmen mit voller Produktpipeline kann sich von einem einzelnen Medikamentenflop durchaus wieder erholen. Als der amerikanische Pharmariese Pfizer 1999 das Antibiotikum Trovan vom Markt nehmen musste, fiel der Kurs um etwa 35 Prozent. Wer damals die Aktie kaufte, wählte den richtigen Zeitpunkt. Der Einsatz hat sich bis heute verdreifacht.

Aber Vorsicht. Wenn die Gesamtstrategie eines Unternehmens nicht mehr stimmt, droht eine längere Schwächephase. Die Schweizer Roche-Gruppe wächst aktuell langsamer als die Branche. Auch die Produktpipeline ist nach Meinung der Analysten zu wenig attraktiv. Der abrupte Abgang des Finanzchefs verunsicherte die Investoren zusätzlich. Die Aktie verlor seit Mitte 2000 rund 20 Prozent an Wert. Eine schnelle Erholung ist nicht in Sicht.

Heide Neukirchen/ Christoph Seeger


Rendite auf Rezept

manager magazin hat analysiert, welche Nachrichten Pharmaaktien beeinflussen, welche Risiken die Kurse bedrohen und wie sich Privatanleger verhalten sollten.

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