Freitag, 15. Dezember 2017

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Schönheitschirurgie Facelift für Manager - Report aus der Schamzone

Deutsche Beaus: Von Klopp bis Joop
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DPA

Hintern aufpolstern, Facelift, Fett absaugen - immer mehr Männer sind bereit, sich verschönern zu lassen. Auch der Karriere zuliebe. Nur wissen soll es keiner. Ein Report aus der Schamzone.

Das Dreifaltigkeits-Krankenhaus in Kölns Vorort Wesseling ist auf den ersten Blick kein Ort des Jetsets. Im Westen fällt der Blick auf die Rheinland Raffinerie, zweitgrößte deutsche Produktionsstätte von Shell. Der Weg zum Klinikparkhaus führt an Mietshäusern und McDonald's vorbei, ein Schild weist den Weg zur Caritas-Sozialstation.

Doch genau hier kommen sie an, Männer mit gravierendem Gewichts-, aber ohne Finanzproblem: der Klinikhändler aus Abu Dhabi, der russische Investor, der deutsche Topmanager. Unter den Händen von Chefarzt Dirk Richter (50), Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, werden sie einmal generalüberholt und verschlankt.

Jenseits der Glastür links hinterm Pförtnerhäuschen, in Richters Abteilung, ist es mit der Krankenhaustristesse schnell vorbei. Das Wartezimmer für Privatpatienten ist mit USM-Sideboard und schwarzen Ledersofas von Le Corbusier möbliert, der Chef - groß, schlank, elegant grau meliertes Haar, braune Budapester zum dunkelblauen Anzug unterm blütenweißen Arztkittel - empfängt zehn Minuten nach einer Operation so frisch, als käme er von einer Yogastunde.

60 bis 75 Mio. Euro
geben deutsche Männer pro Jahr für minimalinvasive Schönheitsbehandlungen und operative Eingriffe aus.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie
Richters Team absolviert vier Ganzkörperstraffungen pro Woche. Ein Viertel der Patienten sind Männer.

Der Eingriff ist Schwerstarbeit: Drei bis vier Chirurgen spannen Hautlappen auf, schneiden kiloweise Fett weg, entfernen überflüssiges Gewebe, polstern für eine harmonische Silhouette die Gesäßbacken auf und vernähen den Mann mit einer Narbe auf Hüfthöhe.

Eine Nacht Intensivstation zur Kontrolle der Wunde, einige Tage stationärer Aufenthalt, nach 14 und nach 21 Tagen zum Fädenziehen - fertig ist der gestraffte Mann.

Vier Ganzkörperstraffungen pro Woche

50 Prozent von Richters Patienten werden mit Adipositas-Diagnose von der Krankenkasse geschickt. Die andere Hälfte sind Privatzahler, die sich zum Preis von bis zu 14.000 Euro körperlich neu durchstylen wollen: Der esslustige Anwalt, der mit 50 Jahren ein Restaurant eröffnet hat und über seiner Kochleidenschaft aus der Hose platzt. Der Logistikunternehmer, der zu häufig mit seinen Truckern feiert und die "Love Handles" (Hüftspeck) nicht mehr los wird.

Der Allianz-Versicherer, dem auf Gürtelhöhe eine Fettschürze gewachsen ist; der Deutschbanker, dessen neue Freundin mit seinem Bauch nicht klarkommt; der Business Consultant, der sich schon mit 30 für alt hält - sie alle pilgern nach Wesseling, nehmen Diätpläne und Sportpensen in Empfang, bevor sie sich auf den OP-Tisch legen dürfen.

Richters Station floriert, operativ erzeugte Männerschönheit liegt im Trend. Die rationalen, blassen Deutschen, Frauen eingeschlossen, gehören laut Statistik der International Society of Aesthetic Plastic Surgery zu den häufigsten Kunden der Beauty-Mediziner - mit mehr als 650.000 Eingriffen allein im Jahr 2013, nicht chirurgische mit eingerechnet. Nur in den USA, Brasilien und Mexiko wird noch mehr geschnippelt, gebotoxt und geglättet. Etwa jeder siebte Patient in Deutschland ist ein Mann.

Ihn peinigen schlaffe Lider, Fett, Falten, überaktive Schweißdrüsen; er hadert mit seiner Intimzone, mit hässlichen Ohren und Männerbrüsten. Auch schöne Nasen und flache Bauchdecken werden nachgefragt. Und perfekte Zähne. "Das Bild des Mannes hat sich zum Athletischen gewandelt. Die Optimierung ihres Äußeren ist vielen Männern daher immens wichtig geworden", sagt Richter. Er selbst hat vor 15 Jahren seine Oberlider korrigieren lassen.

Vor allem Manager schauen immer kritischer in den Spiegel: der Vorstand unter dem Druck öffentlicher Auftritte genauso wie der Mittelmanager, der auf dem Weg nach ganz oben noch ein paar Rivalen ausstechen muss.

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