Montag, 30. Mai 2016

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Mit Booking.com zur Weltherrschaft Priceline - das nächste Monster

Booking.com/Priceline: Reisebüro auf dem Weg zum Allmachtskonzern
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REUTERS

Bescheiden im Auftritt, wuchtig im Geschäft: Das Online-Reisebüro Booking.com ist ein wahres Wirtschaftswunder - und Inhaber Priceline ist auf dem Weg zu einer gefährlichen Allmacht.

Die Zentrale von Booking.com, hübsch gelegen im Zentrum von Amsterdam, ähnelt einer Kindertagesstätte. Da hocken sie zu Besprechungen auf bunten Würfeln, tragen lässige Kluft und Sneakers, dazu gern mal einen Kopfhörer, aus dem schräge Musik hervorquillt. Ein rot markierter Radweg - oder ist es doch eine Spielstraße? - führt mitten durchs Gebäude. Gegessen wird mittags an langen Tischen, das bildet Gemeinschaft.

Auch der Hausherr, Darren Huston ("Houston" gesprochen), fügt sich ins Bild. Der 49-jährige Kanadier mit kräftigem Kinn und grauen Locken lächelt nachsichtig. Er gebe keine Anweisungen, beteuert er, "auf einen alten Kerl wie mich hören die jungen Leute sowieso nicht". Das kennt man aus dem pädagogischen Alltag.

Kommandos erübrigen sich ohnehin. Huston steht keiner Rasselbande vor, sondern Cracks. 800 Leute zählt das Hauptquartier, davon 500 IT-Spezialisten. Hinzu kommen noch rund 8000 Mitarbeiter auf dem ganzen Globus. Lässig, hungrig. Und Weltmeister ihres Fachs.

Unauffällig, aber zielsicher hat sich Booking.com zum größten Onlinezimmervermittler aufgeschwungen, ja zur Supermacht. Die Aktien der amerikanischen Muttergesellschaft Priceline - mit Booking als Kern - sind derzeit rund 58 Milliarden Euro wert. Das ist mehr als das Börsengewicht von Expedia Börsen-Chart zeigen, Tui Börsen-Chart zeigen, Thomas Cook Börsen-Chart zeigen, Lufthansa Börsen-Chart zeigen und des Hotelriesen Accor Börsen-Chart zeigen - zusammen.

Auch das Salär des Chefs spiegelt die erstaunlichen Dimensionen. Hustons Grundgehalt beträgt zwar weniger als eine halbe Million Euro. Doch die Erfolgsboni trieben sein Gehalt 2013 - der letzte bekannte Stand - auf mehr als 16 Millionen Euro.

Er war eben sehr, sehr erfolgreich. Fragt sich nur, auf wessen Kosten.

In der Branche wächst die Kritik am Marktführer. Gewiss, alle bewundern das Geschick des Portals, Zimmersuchende auf die eigene Seite zu ziehen und sie tatsächlich zum Buchen zu bewegen. Doch immer mehr Hoteliers beklagen die Übermacht des Champions, fühlen sich zum Handlanger degradiert. Systematisch schneide Booking sie von den eigenen Kunden ab und zwinge sie zu absurden Rabattrunden. In diversen Ländern Europas haben sich die Kartellbehörden eingeschaltet.

Booking ist zwar eine niederländische Erfindung, 1996 gegründet vom Informatiker Geert-Jan Bruinsma, der heute noch im Hintergrund mitwirkt, verströmt jedoch den Geist des Silicon Valley. Es geht um ein Alles-oder-nichts, wie man es von amerikanischen Internetgranden kennt.

Schon ziehen Beobachter Parallelen zu Google Börsen-Chart zeigen . Die haben ja auch mal als Freund und Helfer angefangen und gelten heute bei vielen als Monster.

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