Freitag, 26. August 2016

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Technologieschub Der große Auftritt der 3-D-Druck-Technik

3D Drucker: Das Ende der traditionellen Industrie
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DPA

Es ist die Vision von einer universellen Produktionsmethode: 3-D-Druck erzeugt jedes beliebige Produkt, theoretisch. Läutet die Innovation das Ende der traditionellen Industrie ein? Noch glänzt die deutsche Industrie mit einem Know-how-Vorsprung.

Hamburg - Mehr als einen freundlichen Händedruck pro Jahr bekommt kaum ein leitender Angestellter bei General Electric von Jeff Immelt. Christine Furstoss indes war in diesem Jahr bereits sechsmal zum Privatissimum beim GE-Chef geladen.

Die Materialwissenschaftlerin, die in der GE-Forschung 450 Entwickler führt, soll allerdings auch etwas liefern, was ihr Vorstandschef selbst den "Heiligen Gral" nennt: eine Technologie, mit deren Hilfe der US-Mischkonzern völlig neuartige Produkte zu günstigen Kosten und in kurzer Zeit auf den Markt werfen kann. Ein Wunderding, das dem Industriekonglomerat einen gigantischen Wettbewerbsvorsprung im globalen Konkurrenzkampf einbringen soll.

Mit einem Wort: einen 3-D-Drucker. Natürlich ein besseres Modell als die aus einem simplen Gestänge und einem gemächlich herumfahrenden Druckkopf bestehenden Bastlergeräte, mit denen sich heute angeblich jeder Waffenfreak eine Pistole aus Plastik herstellen kann. Oder jeder Modellbauer sein eigenes Völkchen für die Eisenbahnspur H0.

Was die Bastler und die GE-Entwickler eint, ist eine Technik, die ein Produkt quasi aus dem Nichts Lage für Lage aus diversen Materialien aufbaut. In einem einzigen Prozess - im Fachjargon AM (Additive Manufacturing) genannt - können so aus einem aufgespulten Kunststofffaden ebenso wie aus Metall, Keramik, menschlichen Zellen oder gar Schokolade die unterschiedlichsten Dinge entstehen: eine Designerlampe oder die Verzierung einer Hochzeitstorte, eine Leber im Miniformat oder ein Radträger für einen Rennwagen.

Technikfreaks schon begeistert

Am Ende soll die Technologie so problemlos und flink funktionieren, wie es die Science-Fiction-Serie "Raumschiff Enterprise" in den 60er Jahren mit dem Replikator vordachte. Ein Kasten, der jede gewünschte Ware aus einem Partikelwirbel materialisiert.

Nach dem heutigem Stand der Technik besteht die Pünktchenwolke aus den Pixeln einer 3-D-Software. Mit dem Programm lässt sich am Computer jedes beliebige Produkt konstruieren. Aus dem Datensatz formt der Drucker den Gegenstand. In Designstudios und den sogenannten Fablabs der Technikfreaks erfreut sich vor allem das Aufspritzen von verflüssigtem Material in schnell aushärtenden Lagen größter Beliebtheit. In der Industrie hat sich das schichtweise Verschmelzen von Pulvern mittels Laser durchgesetzt.

Diese Sintern genannte Methode ermöglicht "einen Paradigmenwechsel in der Fertigung", schwärmt Furstoss: "Damit bekommt man exakt das, was man sich vorgestellt hat, und zwar voll funktionsfähig." Schon in wenigen Jahren sollen deshalb GE-Fabriken mit dieser Technik Teile von Flugzeugturbinen produzieren.

Arbeitet die Forscherin am Ende der Industrie, wie wir sie kennen? Wird in Zukunft kein Karosserieblech mehr gestanzt, keine Kurbelwelle mehr geschmiedet und kein Armaturenbrett mehr gegossen? Kommen bald Auto und Flugzeug, Pizza und Pasta, Tisch und Bett aus dem Drucker - individuell geformt und so funktional ausgestattet, wie es sich der Industriedesigner oder ein einsamer Kreativer, in der Technoszene Maker genannt, ausgedacht hat?

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