Von Mark Böschen und Dietmar Palan
Neckermann ist pleite, Karstadt angeschlagen, und Puma macht viele seiner Läden ganz einfach dicht. Weite Teile des deutschen Mode-Einzelhandels laufen - so scheint es - derzeit nur noch im Krisenmodus.
Tatsächlich aber sind Lage und Stimmung in Europas Unternehmen keineswegs trist und grau. Es ist, wie so häufig, eine Frage der Perspektive. Claus-Dietrich Lahrs (49) etwa baut sein Vertriebsnetz in atemberaubendem Tempo aus. 87 Geschäfte hat der Chef des schwäbischen Modelabels Hugo Boss
in diesem Jahr bereits eröffnet. Mehr als 700 eigene Filialen kontrolliert er inzwischen.
Der Expansionsfeldzug folgt einer klaren Vorgabe: Lahrs will die Anzüge und Businesskostüme nicht mehr vorrangig in den Regalen der großen Kaufhaus- und Modehandelsketten sehen. Die Gewinne der Händler will der Konzern künftig möglichst selbst einstreichen. Dieses Ziel ist in den vergangenen Monaten ein ganzes Stück näher gerückt.
Als der einstige Cartier- und Dior-Manager vor vier Jahren in Metzingen anfing, kam lediglich ein Viertel des Umsatzes aus den eigenen Läden. Heute ist es schon die Hälfte, Tendenz stark steigend. Bislang sind die Aktionäre mit der Strategie nicht schlecht gefahren: Der Nettogewinn stieg um 150 Prozent, der Kurs hat sich mehr als verdreifacht.
Hugo Boss
ist nur eines von vielen europäischen Unternehmen, die stark wachsen und noch immer Potenzial für weitere Kursgewinne besitzen. Es sind Firmen, die mit soliden Geschäftsmodellen, stabilen Einnahmen und einer starken Marktposition glänzen. Und die deshalb weit weniger anfällig für die nächste Welle der Finanz- und Schuldenkrise sind als die Konkurrenz.
Aktien als Sicherheitspuffer
Mit welchen Aktien Anleger halbwegs sicher durch die Krise kommen, zeigt die Leistungsanalyse der 500 größten europäischen Börsenfirmen, die manager magazin bereits zum 23. Mal erstellt hat.
Über mehrere Monate hinweg untersuchte ein Team um Wirtschaftsprofessor Bernhard Pellens von der Ruhr-Universität Bochum zusammen mit Kapitalmarktexperten des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte Hunderte von Bilanzen, Cashflow-Statements sowie Gewinn-und-Verlust-Rechnungen. Sie analysierten die Börsenrenditen und berechneten die Erwartungen der Kapitalmarktteilnehmer an die einzelnen Firmen. Das Ziel der in Umfang und Methodik einzigartigen Studie: Konzerne zu identifizieren, die trotz der Schuldenkrise kontinuierlich Wert für ihre Aktionäre geschaffen haben.
"Viele Unternehmen haben ihr operatives Geschäft in den letzten Jahren stetig verbessert und ihr Ergebnis nachhaltig gesteigert. Weder wird diese Leistung von der Börse angemessen wahrgenommen noch ausreichend honoriert", sagt Bilanzforscher Pellens. Solche Firmen haben in den kommenden Monaten gute Chancen, dass sich ihre Wettbewerbsvorteile bei Marktposition und Geschäftsmodell auch in steigenden Kursen niederschlagen.
Hinzu kommt: Die Aktien von robusten und ertragsstarken Unternehmen sind an der Börse derzeit gefragt wie lange nicht mehr. Fondsmanager und Vermögensverwalter haben sie als Alternative zu Staatsanleihen entdeckt, die seit dem Ausbruch der Euro-Turbulenzen viel von ihrem Charakter als Sicherheitspolster verloren haben.
"Es gibt Aktien, die weit weniger riskant sind als die Schuldpapiere vieler Staaten, weil sie schlicht eine stärkere Bilanz vorweisen können", analysiert Andrew Garthwaite, Aktienstratege der Großbank Credit Suisse: "Darüber hinaus bieten sie oft eine höhere Rendite und besseren Schutz vor Inflation."
Aktien wie diese nennt er vollmundig "den neuen Goldstandard". Genauso wie der Wert einer Währung einst durch Goldreserven abgesichert war, sollen heute Anteile an starken Firmen das Vermögen vor Kaufkraftverlust und Geldentwertung schützen.