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25.01.2012
 

Führungswechsel

Zeitenwende bei Beiersdorf

Von Thomas Werres

Auf Erfolg gebürstet: Stefan Heidenreich ist der künftige CEO des Nivea-Konzerns

Auf Erfolg gebürstet: Stefan Heidenreich ist der künftige CEO des Nivea-Konzerns

3. Teil: Herz will die Zügel lockern

Das zeigte sich etwa Ende 1993, als Heidenreich seinen ersten wichtigen Führungsposten ergatterte. Damals hatte er bereits einen Job bei Procter & Gamble Chart zeigen hinter sich gelassen und packte gerade seine Sachen, um für Reckitt Benckiser Chart zeigen nach Australien zu gehen. Da brachte ihn Headhunter Dieter Rickert, der über verschlungene Wege auf Heidenreich aufmerksam geworden war, mit dem großen Mark Wössner zusammen.

Wössner (73) war zu der Zeit Chef von Bertelsmann und suchte junge Talente. Alsbald bemerkte Wössner, er, Heidenreich, habe ja bereits eine Menge gemacht für sein jugendliches Alter. Daraufhin soll der Bewerber mit durchgedrücktem Rücken, über einen großen Tisch gebeugt, keck entgegnet haben: "Sie haben doch schließlich auch früh angefangen, Herr Wössner."

Die Replik kam gut an. Heidenreich landete schließlich bei der damaligen Bertelsmann-Beteiligung Premiere und wurde Vertriebschef unter Bernd Kundrun, dem späteren Gruner+Jahr-Primus.

Allerdings machte er trotz guter Leistung in dem Medienhaus keine Karriere. Das hat offenbar damit zu tun, dass ihm der Marsch durch eine Konzernorganisation, bei dem man seine Richtung ändern muss, je nachdem wie der Wind gerade weht, nicht liegt. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Heidenreich seit seiner Jugend segelt, früher an internationalen Regatten teilgenommen hat und heute noch seinen Jungs im Neoprenanzug Anweisungen beim Windsurfen auf Sylt erteilt, wenn er nicht gerade selbst auf dem Brett unterwegs ist.

Der Patriarch ist gewohnt, eng zu führen

Keine Frage, Beiersdorf Chart zeigen passt in dieser Hinsicht besser. Hier hängt viel an einer Person, an Michael Herz. Kommt man mit ihm klar, muss man keine lästigen Scherwinde oder plötzlichen Böen befürchten. Die Frage ist nur, ob Herz selbst den Neuzugang machen lässt. Denn der Patriarch ist es gewohnt, eng zu führen, kann sich auch für Details wie Spesenrechnungen interessieren und wurde sogar schon in Tchibo-Läden (seinem zweiten Engagement) beim Schreiben von Preisschildern gesichtet.

Natürlich sind Herz wie Heidenreich im Augenblick sehr zuversichtlich, dass die Arbeitsteilung funktionieren wird. Heidenreich gilt als bestens geschult im Umgang mit Überregenten. Bei seinem Ex-Arbeitgeber Hero rühmt man ihn jedenfalls dafür, wie gut er mit Oetker und dessen Partnern Werner Holm und Lutz Peters kooperiert habe. Herz wiederum wird nachgesagt, er habe sich vorgenommen, die Zügel lockerer zu lassen.

Die jeweiligen Rollen sind detailliert abgesprochen, wichtige Markierungen gesetzt. "Doch es ist eine Sache, was man im Liebeswerben sagt", orakelt ein Topmanager, der die beiden Handelnden gut kennt. "Eine andere ist es, wie es im Alltag einer Ehe funktioniert." Ein erster Prüfstein könnte die Verabredung sein, dass spätestens im März über einen möglichen Neuzuschnitt einzelner Vorstandsressorts entschieden wird. Hier wird sich erweisen, welche Befugnis Heidenreich künftig haben wird.

Bislang hat der Beiersdorf-Vormann neben der Generalverantwortung traditionell lediglich die Zuständigkeit für eine kleine Edelmarke und ein japanisches Gemeinschaftswerk. Das wird Heidenreich, der sich bereits um das notleidende Geschäft in China oder das US-Business kümmert, nicht reichen.

Allerdings ist schon jetzt klar, dass er nicht das frei gewordene Asien-Ressort übernehmen wird. Ex-Vorstand James C. Wei (54) waren Abschreibungen von 140 Millionen Euro am chinesischen Haarpflegehersteller C-Bons Hair Care zum Verhängnis geworden. Er hatte die Integration verpfuscht, was Michael Herz spätestens bei seinem China-Besuch im Frühsommer klargeworden war. Die Stelle soll nun extern besetzt werden.

Verändert werden könnten aber etwa die Zuständigkeiten von Vorstand Ulrich Schmidt (58). Der leitet den Finanzbereich und auch die Personalentwicklung. Unlängst sorgte er intern wegen Überlastung für Aufregung. Weil sich Schmidts Truppe selbst nicht darum kümmern wollte, hatte er die Führungskräfte des Konzerns von der Personalberatung Egon Zehnder bewerten lassen - ein Tabubruch bei Beiersdorf.

Heidenreich bot der Vorfall willkommene Gelegenheit für eine erste vertrauensbildende Maßnahme. Es sei ein verheerendes Signal, die eigenen Leute durch Externe begutachten zu lassen. Das passe nicht zu Beiersdorf, ließ er durchblicken.

Heidenreich eilt ohnehin der Ruf voraus, dass er sich lieber selbst kümmert, statt zu delegieren. So auch, als ihm Aufsichtsratschef Pöllath mehrere Ordner zum Thema Beiersdorf überreichte. Mit der Botschaft, auf den rund 1000 Seiten finde er alles über seine neue Firma. Statt den Packen etwa einem Assistenten zur Verdichtung zu übergeben, machte sich der künftige CEO selbst an die Arbeit. Nach wenigen Tagen waren die Akten durchforstet und auf eine Executive Summary verknappt. 17 Seiten - viel mehr muss man über Beiersdorf nicht wissen.

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Stefan Heidenreich

Marken pflastern seinen Weg: Die Karriere startete der Betriebswirt 1987 bei Procter & Gamble (Ariel, Meister Proper). Dort lernte er auch den späteren Beiersdorf-Chef Kunisch kennen. 1992 ging es zu Reckitt Benckiser (Calgon, Sagrotan). Ab 1994 holte Heidenreich den Bezahlsender Premiere aus dem Abotief. Zwei Jahre danach erfolgte der Wechsel zum Marmeladenkonzern Hero (Schwartau), den er von 2002 an anführte.

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