Von Dietmar Palan
Hamburg - Den Ort seiner Rede hatte sich Karl-Ludwig Kley (60) mit einem gewissen Hang zur Symbolik ausgesucht. Am Montag, dem 17. September, bat der Merck-Vorstandsvorsitzende die 110 weltweit wichtigsten Führungskräfte des Darmstädter Chemie- und Pharmakonzerns Merck ins "Steigenberger Hotel" am Frankfurter Flughafen.
Eineinhalb Tage lang wollte er sich Zeit nehmen, um die strategische Zukunft des Konzerns zu diskutieren. Es ging ums Durchstarten und Abheben. Die Kernbotschaft: Merck
muss schneller, effizienter und vor allem erfolgreicher bei der Entwicklung neuer Medikamente werden. Mit anderen Worten: Vieles muss neu und fast alles anders werden.
Mehr als vier Jahre liegt der Auftritt Kleys nun zurück. Gemessen an seinen eigenen Ansprüchen, ist die Bilanz seither enttäuschend. Sicher, auch Konkurrenten glänzten weder bei Gewinnen noch beim Umsatzwachstum. Aber kein anderer europäischer Gesundheitskonzern hat im Schnitt der vergangenen drei Jahre geringere Eigenkapitalrenditen erwirtschaftet, kaum ein anderer für seine Aktionäre weniger abgeworfen.
Neue Bestsellermedikamente lassen auf sich warten
Die versprochenen jährlichen zweistelligen Wachstumsraten? Weitgehend ausgeblieben. Die angepeilte Verdoppelung des Umsatzes auf 14 Milliarden Euro? Nicht mehr zu erreichen. Die angekündigten neuen Bestsellermedikamente? Nichts zu sehen. Frühestens 2015 werden die Merck-Entwickler mit einem neuen Knaller am Markt antreten können - wenn sie viel Glück haben.
Weder der Kauf des Schweizer Biotech-Unternehmens Serono
(2006 für 10 Milliarden Euro erworben) noch des US-Laborausrüsters Millipore (2010 für 5,3 Milliarden Euro eingemeindet) hat den Darmstädter Mittelständler in den Kreis der Großen katapultieren können. Was also ist schiefgelaufen, Herr Kley?
Solche Fragen bringen die Nummer eins in Darmstadt nicht aus dem Gleichgewicht. Ludwig Kley findet sein Dauerlächeln sofort wieder. "Wir haben einige der mit der Akquisition von Serono verbundenen Ziele erreicht - Eintritt in die Biotechnologie und den US-Markt, ein belastbarer Cashflow -, aber nicht alle. Insbesondere bei der Pipeline haben wir die Erwartungen nicht erfüllt", gibt er zu.