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13.01.2012
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Merck

Drei Hoffnungswerte

Von Dietmar Palan

Merck: Wie der Pharmakonzern den Umschwung schaffen will
Fotos
Michael Dannenmann

Hohe Kosten und eine leere Produktpipeline zwingen den Konzern zu tiefen Einschnitten. Es geht um nichts weniger als das Überleben der ältesten Pharmafirma der Welt.

Hamburg - Den Ort seiner Rede hatte sich Karl-Ludwig Kley (60) mit einem gewissen Hang zur Symbolik ausgesucht. Am Montag, dem 17. September, bat der Merck-Vorstandsvorsitzende die 110 weltweit wichtigsten Führungskräfte des Darmstädter Chemie- und Pharmakonzerns Merck ins "Steigenberger Hotel" am Frankfurter Flughafen.

Eineinhalb Tage lang wollte er sich Zeit nehmen, um die strategische Zukunft des Konzerns zu diskutieren. Es ging ums Durchstarten und Abheben. Die Kernbotschaft: Merck Chart zeigen muss schneller, effizienter und vor allem erfolgreicher bei der Entwicklung neuer Medikamente werden. Mit anderen Worten: Vieles muss neu und fast alles anders werden.

Mehr als vier Jahre liegt der Auftritt Kleys nun zurück. Gemessen an seinen eigenen Ansprüchen, ist die Bilanz seither enttäuschend. Sicher, auch Konkurrenten glänzten weder bei Gewinnen noch beim Umsatzwachstum. Aber kein anderer europäischer Gesundheitskonzern hat im Schnitt der vergangenen drei Jahre geringere Eigenkapitalrenditen erwirtschaftet, kaum ein anderer für seine Aktionäre weniger abgeworfen.

Neue Bestsellermedikamente lassen auf sich warten

Die versprochenen jährlichen zweistelligen Wachstumsraten? Weitgehend ausgeblieben. Die angepeilte Verdoppelung des Umsatzes auf 14 Milliarden Euro? Nicht mehr zu erreichen. Die angekündigten neuen Bestsellermedikamente? Nichts zu sehen. Frühestens 2015 werden die Merck-Entwickler mit einem neuen Knaller am Markt antreten können - wenn sie viel Glück haben.

Weder der Kauf des Schweizer Biotech-Unternehmens Serono Chart zeigen (2006 für 10 Milliarden Euro erworben) noch des US-Laborausrüsters Millipore (2010 für 5,3 Milliarden Euro eingemeindet) hat den Darmstädter Mittelständler in den Kreis der Großen katapultieren können. Was also ist schiefgelaufen, Herr Kley?

Solche Fragen bringen die Nummer eins in Darmstadt nicht aus dem Gleichgewicht. Ludwig Kley findet sein Dauerlächeln sofort wieder. "Wir haben einige der mit der Akquisition von Serono verbundenen Ziele erreicht - Eintritt in die Biotechnologie und den US-Markt, ein belastbarer Cashflow -, aber nicht alle. Insbesondere bei der Pipeline haben wir die Erwartungen nicht erfüllt", gibt er zu.

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  • Starke Führung
    Der Familienfrieden in Darmstadt hängt von jeher an starken Führungspersönlichkeiten, die Clan und Unternehmen zusammenbinden. Jahrelang hatte Firmenpatriarch Hans Joachim Langmann (87) diese Rolle inne. Seit der sich 2002 zurückzog, sind der Kinderpsychologe Jon Baumhauer und der gelernte Investmentbanker Frank Stangenberg-Haverkamp die Wortführer. Die Aufgaben sind verteilt. Stangenberg-Haverkamp kümmert sich als Vorsitzender des Gesellschafterrats um das Geschäft, Baumhauer hält als Führer des Familienrats den Clan zusammen. Zumindest für seinen Part muss ein Nachfolger her. Der 67-Jährige will sich wohl in drei Jahren zurückziehen.
  • Gesicherte Macht
    Rund 70 Prozent des Konzerns hält die Familie. Deshalb bestimmt sie auch die Zusammensetzung des Gesellschafterrats, der bei Merck die Funktion des Aufsichtsrats hat. Diese Schwelle soll auf keinen Fall unterschritten werden. Andernfalls könnten freie Aktionäre und Arbeitnehmer eigene Vertreter fordern - ein Machtverlust, den die Familie nicht hinnehmen will.
  • Gute Nachwuchsarbeit
    Familienmanager Baumhauer bindet den Nachwuchs der Mercks möglichst früh an den Konzern. So organisierte er einen Tag im Krebszentrum der Uniklinik Heidelberg, damit die Generation der 20-Jährigen die Bedürfnisse der Patienten versteht, für die Merck seinen Bestseller Erbitux produziert. Und die 18-Jährigen der Familie durchliefen das Bewerbungsverfahren, dem sich auch die ganz normalen Merck-Auszubildenden stellen müssen. Anschließend trafen sich beide Gruppen zu einer Diskussion. Bisher gelang es jedenfalls, bei den rund 130 Familiengesellschaftern ein stabiles Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen. Zwist wie bei den Haniels? Fehlanzeige.

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