Aus New York berichtet Klaus Boldt
Hamburg - Seit fast zwei Jahrzehnten ist Arthur Sulzberger Jr. Verleger der "New York Times" und seit 14 Jahren auch Chairman der übergeordneten New York Times Company, die von seiner Familie seit 1896 beherrscht wird.
Sulzberger ist 60 Jahre alt, grau-blond und mittelgroß, vielleicht einen Meter achtundsiebzig. Er ist der vierte Sulzberger, der dieser Ämter waltet, und vielleicht nicht gerade die Herzlichkeit in Person, und er macht auch nicht den Eindruck, als wüsste er es sonderlich zu schätzen, wenn man ihm jetzt mit irgendeinem Döntje käme - aber er hat eine freundliche Art, immer noch ein helles, junges Glimmen in seinen Augen, ein nettes Wesen und überhaupt einen enormen Händedruck: "Hallo, ich bin Arthur Sulzberger. Wie geht's Ihnen?"
Wir begrüßen uns im 15. Stock des New York Times Buildings an der 8. Avenue in Midtown Manhattan, sozusagen auf der Rückseite des Times Square, wo die berühmteste Zeitung der Welt über hundert Jahre lang ihren Amtssitz hatte. Der neue Bau, 2007 bezogen, ist mit 318,8 Metern die vierthöchste Kreation der Stadt: Sulzbergers Mannschaften belegen die unteren 26 der 51 Stockwerke, rund 74.300 Quadratmeter.
Turm für 850 Millionen Dollar
Der Turm wurde von der New York Times gemeinsam mit der Immobilienfirma Forest City für 850 Millionen Dollar errichtet, nach einem Plan des allseits als Konstruktions- und Komfortmeister bekannten Architekten Renzo Piano: ein vertikales Arrangement der modernsten technisch-ökologisch-ästhetischen Erkenntnisse und praktisch rundum verglast und von Keramikstäben gegen feindliche Strahlungen geschützt.
Sulzberger trägt ein Oberhemd, das so frisch aussieht, als hätte er es eben aus der Verpackung gerissen, und dazu eine blau gemusterte Krawatte. Möglicherweise trainiert er am Sandsack, denn in den Schultern bewegt er sich rund und leicht, und er hat selbst im Stehen noch so viel Fahrt drauf, dass irgendwie immer eine leichte Brise um ihn weht.