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07.10.2011
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Deutsche Bank

Wie Gott in Frankfurt

Von Ulric Papendick

Deutsche Bank: Vorstände und Aufsichtsräte
Fotos
DPA

Der geplante Durchmarsch von Vorstandschef Josef Ackermann an die Spitze des Aufsichtsrats hat die Führungskrise nur vordergründig gelöst. Das Institut steht vor neuen Machtkämpfen.

Montag, 25. Juli 2011 - die Würfel sind gefallen. Im Turm A der Deutschen Bank tagt der 20-köpfige Aufsichtsrat des Finanzriesen. Einziger Punkt auf der Agenda: Personalien, vor allem die Nachfolge von Josef Ackermann.

Einstimmig billigt das Gremium einen Vorschlag, den der Nominierungsausschuss mit Chefkontrolleur Clemens Börsig (63), Bosch-Manager Tilman Todenhöfer (67) und Bayer-Veteran Werner Wenning (64) 15 Tage zuvor erarbeitet hat. Künftig soll ein Triumvirat das Frankfurter Geldhaus leiten: Jürgen Fitschen (62) und Anshu Jain (48) als Co-Heads, darüber, so ist es vorgesehen, wacht der große Vorsitzende Ackermann.

Am Ende dieses denkwürdigen Tages lässt Börsig die Vorstände einzeln in den Sitzungssaal rufen, um ihnen die Personalbeschlüsse zu verkünden. Weil Retailchef Rainer Neske (56) zu spät kommt, rüffelt ihn Börsig vor versammelter Mannschaft - allerdings nicht ohne ihm ein Goody mit auf den Weg zu geben, Neskes Vorstandsvertrag wird um fünf Jahre bis Ende März 2017 verlängert.

Während des gesamten Meetings lässt Börsig sich nicht anmerken, dass er der große Verlierer im erbitterten Machtpoker der vergangenen Monate ist. Auch beim anschließenden Abendessen macht er gute Miene zum bösen Spiel und sitzt wie gewohnt seinem Intimfeind Ackermann direkt gegenüber. Business as usual.

Die Stimmung in der Runde, berichtet ein Teilnehmer später, sei gelöst gewesen. Die Kontrolleure waren vor allem dankbar, dass sich ihr Chef mit einem freiwilligen Rücktritt geopfert und damit das Chaos an der Spitze beendet hatte. Am Tag danach feierten die Räte das Personalgeschacher als gelungene Nachfolgeregelung. In der Bank seien alle zufrieden, sagten sie unisono. Dann verabschiedeten sie sich in den Urlaub.

Die wertvollsten Banken der Welt - bei Ackermanns Antritt 2002 und heute
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Die wertvollsten Banken der Welt - bei Ackermanns Antritt 2002 und heute

Doch einige Topleute der Bank reagierten weniger enthusiastisch. Risikovorstand Hugo Bänziger (55), lange Zeit als möglicher Nachfolger Ackermanns gehandelt, konnte seinen Frust über das gelobte Personalpaket nur mühsam kaschieren. Und selbst der frisch beförderte Fitschen hatte bei einer Vorstandssitzung wenige Tage zuvor deutlich gemacht, dass er wenig von einem Wechsel Ackermanns an die Spitze des Aufsichtsrats hält.

Außerhalb der Bank war das Echo verheerend. Die "Süddeutsche Zeitung" erinnerte das bunte Treiben der Hauptdarsteller an Komödien des berühmten italienischen Dichters Carlo Goldoni. Die Londoner "Financial Times" verglich das bizarre Prozedere mit einem "südeuropäischen Regime in der Krise". Selbst die banknahe "Börsen-Zeitung" fragte besorgt, was das Wort Ackermanns denn noch wert sei - hatte der doch zuvor mehrmals beteuert, nicht in den Aufsichtsrat wechseln zu wollen. Die Antwort fand die "FAZ", die Ackermanns Volten kommentierte: "Wen interessiert das Geschwätz von gestern."

In der Wirtschaft sind viele Führungskräfte geradezu fassungslos über die Chuzpe, mit der das Revirement zustande kam. "Die Deutsche Bank", sagt der Aufsichtsratschef eines Dax-Konzerns, "ist ihrer Vorbildrolle nicht gerecht geworden. Das ist ein Rückschlag für die gesamte Debatte um gute Unternehmensführung hierzulande."

In der Tat: Die Art, in der die Kontrolleure der Deutschen Bank Chart zeigen den seit Jahren schwelenden Führungskonflikt gelöst haben, hat Zweifel ausgelöst, ob die um Börsig gescharte Truppe ihre Rolle überhaupt verstanden hat und ihrer im Aktiengesetz festgeschriebenen Wächterfunktion gewachsen ist.

Anders ist die Kakofonie beim Branchenprimus nicht zu erklären. Da sind sich Ackermann und seine Kollegen im Vorstand in der Nachfolgefrage uneins. Da wollen Teile der Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat Ackermann unbedingt zum Chefkontrolleur küren, andere Mitarbeitervertreter wiederum sind dagegen. Selbst die Anteilseignerseite ist in dieser Frage lange gespalten. Und jede Gruppe fährt in der Öffentlichkeit ihre eigenen Bataillone auf. Da wird getrickst, finassiert, intrigiert. Verschwörungstheorien und Erpressungsszenarien machen die Runde. Die Deutsche Bank - ein Tollhaus.

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Kein Koffer in Zürich
Die gescheiterten Schweiz-Pläne des Josef Ackermann

  • Abfuhr
    Künftiger UBS-Präsident Weber: Ackermann den Traumjob weggeschnappt
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    Eigentlich war Josef Ackermanns Ziel nach Ablauf seines Vorstandsvertrags bei der Deutschen Bank klar: ein Topjob bei einem Züricher Finanzkonzern. Als die UBS Anfang 2009 einen Nachfolger für den glücklosen Verwaltungsratschef Marcel Ospel suchte, brachte sich Ackermann ins Spiel. Doch die Schweizer entschieden sich für die Kombination aus dem Bankveteranen Oswald Grübel als CEO und dem Politiker Kaspar Villiger als Chairman. Ackermann ging leer aus; stattdessen wurde dieses Jahr ausgerechnet Axel Weber, den der Deutsche-Bank-Chef als seinen Nachfolger auserkoren hatte, zum künftigen UBS-Präsidenten berufen.
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    Anfang 2010 wurde Ackermann dann als Vizechef in den Verwaltungsrat der Versicherung Zurich Financial Services (ZFS) berufen. 2012, so lautete die interne Absprache, sollte er dem früheren Daimler-Manager Manfred Gentz (69) als Präsident des ZFS-Verwaltungsrats nachfolgen. Es gab bereits eine Zusage Ackermanns, Gentz’ Amtsperiode wurde daraufhin nur bis 2012 verlängert. Jetzt ist der Plan obsolet. Ackermann hat abgesagt, die Versicherung muss sich einen neuen Chefaufseher suchen.

Schweres Erbe
Welche Aufgaben auf die neuen Chefs der Deutschen Bank zukommen

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    Co-Chef Fitschen: Hat den Mittelstand mit der Deutschen Bank versöhnt
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    Ackermann wollte sich 2012 mit einem Rekordgewinn von zehn Milliarden Euro als Vorstandschef der Deutschen Bank verabschieden. Inzwischen hat er dieses Ziel aufgegeben. Dennoch scheint ihm jedes Mittel recht, so nah wie möglich an die Vorgabe heran zu kommen. Das Institut, berichten Wettbewerber, kaufe zurzeit hochverzinsliche Papiere auf, um sein Ergebnis zu hebeln. Die riskante Strategie könnte den neuen Co-Chefs Jain und Fitschen Aufräumarbeiten bescheren.
  • Kostenmisere
    Vor allem in der Vermögensverwaltung operiert die Deutsche Bank nach wie vor mit zu hohen Kosten. Die Spartenleiter Kevin Parker und Pierre de Weck gelten als überfordert, trotzdem ließ Ackermann sie gewähren.
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    Die Zeiten, in denen die Investmentbanker mühelos zwei stellige Renditen einfuhren, dürften vorbei sein. Schärfere Regeln der Bankenaufseher werden vor allem das Handelsgeschäft treffen, auf dem ein Großteil des Erfolgs der Bank beruht.
  • Massengeschäft
    Das Ziel der Deutschen Bank, den Gewinn im Privatkundenbereich annähernd zu verdoppeln, ist unrealistisch. Der hart umkämpfte deutsche Retailmarkt gibt höhere Margen kaum her.
  • Klagewelle
    Investmentbanker Jain: Hat den größten Teil der Gewinne geliefert
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    Investmentbanker Jain: Hat den größten Teil der Gewinne geliefert

    Die Staatsanwaltschaft New York, die Stadt Los Angeles, der Pensionsfonds TIAA – die Zahl der Kläger, die in den USA gegen die Deutsche Bank vorgehen, wächst bedrohlich. Gegenstand aller Verfahren sind Hypothekendeals der Bank – ein Bereich, den Jain zu verantworten hatte. Die Risiken summieren sich zu einem Milliardenbetrag.

Das neue manager magazin

Heft 5/2012

Morbus Krupp
Der Ruhrkonzern kämpft ums Überleben









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