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12.04.2011
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Karriere

Potentialpolitur durch Selbsterkenntnis

Von Arne Gottschalck

Erkenntnis der Altertums: Erkenne Dich selbst, hieß es schon im antiken Griechenland
dpa

Erkenntnis der Altertums: Erkenne Dich selbst, hieß es schon im antiken Griechenland

2. Teil: "Warten auf das Christkind"

mm: Ist so ein Prozess heute möglich - Stichwort Zeitdruck - oder muss man sich die Zeit dazu einfach nehmen?

Hofweber: Es ist schon wichtig, sich für eine Weile auszuklinken und sich Zeit zu nehmen. Zeit allein reicht aber nicht. Es bedarf noch der richtig geführten denkerischen Auseinandersetzung. Dann sind drei Tage genug. Hat der Prozess einmal richtig angefangen, setzt er sich von alleine auch im Arbeitsalltag und unter Belastung fort.

mm: Wie helfen solche "besinnlichen" Themen dabei, das eigene Potential auszuschöpfen?

Hofweber: Wir sitzen in den Kursen ja nicht unterm Weihnachtsbaum und warten aufs Christkind, sondern wir besinnen uns, indem wir intensiv nachdenken. Viele meinen ja, das Denken hätte ein hohes Maß an Beliebigkeit, wenn es um solche Themen geht. Aber dies ist eine gänzlich falsche Vorstellung. Philosophisches Denken über die Authentizität oder verwandte Themen erfordert eine sehr große Strenge und Aufmerksamkeit. Dabei nähern wir uns Schritt für Schritt der Sache und niemand wird gezwungen, Gedanken zuzustimmen, die er nicht selbst nachvollziehen kann. Indem jeder die essentiellen Gedanken selbst denkt, beginnt er bereits, sein eigenes Potenzial auszuschöpfen. Denn unser Potenzial wird v. a. durch falsches Denken limitiert. Richtiges Denken dagegen hilft uns enorm dabei, unser Potenzial auszuschöpfen.

mm: Ist die Zahlenfixierung, die Fokussierung auf bestimmte, kurzfristig erreichbare und messbare Ziele, ein Stolperstein auf dem Weg zu "mehr Authentizität"?

Hofweber: Definitiv ja. Die größte Gefahr besteht aber nicht darin, dass der Arbeitsalltag immer schneller getaktet ist, sondern darin, dass wir die Authentizität selbst zu einer messbaren Größe depotenzieren. Wir wollen dann die Authentizität als ein Mittel zu mehr Erfolg instrumentalisieren. Aber dies ist unmöglich. Wenn es uns gelingt authentischer zu werden, dann hat dies zunächst zur Folge, dass ich mehr der sein kann, der ich bin, dass ich in all meinem Handeln mit meiner Person vorkomme, dass ich mich nicht künstlich in verschiedene Rollen aufteilen muss - Stichwort Work-Life-Balance - und dass ich mich in Drucksituationen als viel handlungsfähiger erlebe. Die unmittelbare Folgen der gesteigerten Authentizität sind eine Zunahme der Gelassenheit, ein größeres Glücksgefühl, ein intensiveres Lebensgefühl und eine Stärkung der Handlungsbereitschaft. All dies geht Hand in Hand mit einer Steigerung des Erfolgs. Aber dies ist eher eine automatische Folge. Es zeigt sich hier ein fundamentales Grundgesetz: Wenn die Prinzipien geklärt sind, lösen sich die operativen Probleme von alleine.

mm: Besteht nicht die Gefahr, dass zu Ihren Kursen nur jene Menschen kommen, die sich mit solchen Fragen eh schon befasst haben - und jene Menschen ausbleiben, die einen solchen Kurs viel nötiger hätten?

Hofweber: Nein. Die Menschen kommen aus unterschiedlichen Motiven und in unterschiedlichen Lebenssituationen. Eines eint aber alle Kursteilnehmer: die Bereitschaft, sich mit der eignen Situation auseinander zu setzen. Offenheit für unbekannte Gedanken aus einem ganz anderen Bereich, die Lust, sich selbst auf den Prüfstand zu stellen und neues zu lernen und der Wille, die eigenen Lebenslage aktiv und lösungsorientiert anzugehen, sind die besten Voraussetzungen für die Teilnahme an einem meiner Kurse. Alles andere kommt dann von alleine, wenn man begonnen hat, sich auf den Weg des Denkens zu begeben. Philosophisches Denken ist enorm inspirierend. Es braucht dazu weder Vorkenntnisse noch Fachwissen. Das Denken enthält eine immanente Logik, und diese führt uns zur Erkenntnis unserer selbst. Je mehr wir uns erkannt haben, desto authentischer können wir sein.

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Zur Person

Gerhard Hofweber arbeitet als akademischer Rat für Philosophie am Lehrstuhl für Philosophie mit dem Schwerpunkt Ethik an der Universität Augsburg. Zudem ist er Gründer des Dr.-Hofweber-Instituts. Er studierte Philosophie, Germanistik, Logik und Wissenschaftstheorie.









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