Von Arne Gottschalck
mm: Authentizität - das klingt fast schon hippiehaft, nach "sei Du selbst und alles wird gut". Ist es so einfach?
Hofweber: Das Einfache ist ja gerade das Schwere. Man darf das Einfache nicht mit dem Leichten verwechseln. Es ist demnach sehr schwer 'einfach' man selbst zu sein. Man selbst zu sein bedeutet ja, der zu sein, der man tatsächlich ist und nicht eine Rolle zu spielen, die in der gegenwärtigen Situation gerade sinnvoll zu sein scheint. Wir agieren ja meistens in Rollen, weil wir einerseits meinen, dies sei nötig, andererseits befürchten wir, als der, der wir sind, nicht genügen zu können. Dabei kommt es zu erheblichen Reibungsverlusten. Wir verbrauchen dabei sehr viel Energie, die wir viel zielführender einsetzen können. Zu werden, wer wir sind, ist weder hippiehaft noch esoterisch, sondern mit der Struktur unseres Bewusstseins verbunden. Wir bewegen uns dabei auf dem Boden der Wissenschaft der Philosophie und in ständigem Dialog mit der aktuellen Forschung.
mm: Wie kann die Authentizität gesteigert werden?
Hofweber: Durch Selbsterkenntnis. Authentizität bedeutet ja, so zu sein, wie man ist, und zwar auch dann, wenn bestimmtes Rollenverhalten erwartet wird. Dazu muss ich aber wissen, wer ich bin, und erfahren, dass ich als Mensch genüge und in mir das Potenzial habe, die bestehenden Anforderungen zu bewältigen. Die Folge ist nicht nur ein größeres Selbstwertgefühl, sondern auch eine gesteigerte Präsenz, Ausstrahlung und Entschlossenheit. Eines muss in diesem Zusammenhang ganz grundsätzlich gesagt werden: Authentizität lässt sich nicht durch technische Trainings, Ratschläge, Tools oder äußere Maßnahmen steigern. Die herkömmlichen Methoden scheitern kläglich dabei.
mm: Aber können wir nicht davon ausgehen, dass bei Führungskräften - nicht zuletzt durch die angesprochenen Methoden - bereits ein hohes Maß an Selbstreflexion vorhanden ist? Ist damit nicht auch ein gewisses Maß an Selbsterkenntnis verbunden?
Hofweber: Wir sind ständig mit Selbstreflexion beschäftigt, aber diese führt zu nichts. Dagegen ist die Selbstwahrnehmung unterentwickelt Selbstreflexion bedeutet eine äußere Betrachtung unserer selbst. Wir betrachten uns dabei wie einen anderen und geben uns selbst gute Ratschläge. Damit setzen wir uns aber nur zusätzlich - und überflüssiger Weise - unter Druck. Selbstreflexion ist wie ein Laufen im Hamsterrad: sie führt zu nichts. Selbstwahrnehmung ist dagegen die vernünftige Sicht auf mich selbst. Dabei sind Fragen wichtig wie: Wie geht es mir mit dem was ich tue? Erfahre ich mich noch als aktiv handelnd oder habe ich nur noch den Eindruck, in Sachzwängen zu reagieren? Will ich das überhaupt noch, womit ich alltäglich beschäftigt bin? Was macht mich als Mensch überhaupt aus? Manche befürchten, dass sie dergleichen Fragen vom eingeschlagenen Weg abbringen könnten und dass sie feststellen, sie würden eigentlich lieber etwas ganz anderes machen. In Wirklichkeit geht es aber darum, sich selbst in der gegebenen Situation neu zu erfahren und das darin liegende Potenzial zu entdecken. Die Selbstreflexion in eine vernünftige Selbstwahrnehmung zu transformieren ist ein wesentliches Ziel des Kurses zur Authentizität.
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