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10.05.2011
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Gründer

Raus aus dem Konzern, rein ins Start-up

Von Eva Buchhorn

Gründer: Konzernmanager in Start-ups
Fotos
Christian O. Bruch

Junge Firmen setzen zunehmend auf Führungskräfte aus der etablierten Wirtschaft. Für Manager eröffnen sich spannende Karrierealternativen - raus aus dem Konzern, rein ins Start-up.

Hamburg - Gründergeschichten klingen fast immer so: Junger Mann hat tolle Idee, Finanziers spülen Geld in die Kasse, Start-up wächst rasend schnell, Verkauf erlöst Unsummen, Finanziers sind begeistert, Gründer wird reich und ein Held.

Ganz so lief es bei Erwin Wolf bisher nicht. Wolf ist nicht gerade ein Jungspund mit seinen 57 Jahren. Es deutet auch noch wenig darauf hin, dass er es in allernächster Zeit zu großem Reichtum bringen wird.

Und doch ist er ein Entrepreneur, ein ziemlich erfolgreicher sogar. Wolf hat es geschafft, eine der wenigen großen Wagniskapitalsummen, die im vergangenen Jahr hierzulande vergeben wurden - 14,5 Millionen Euro eines von Wellington Partners geführten Konsortiums - in die Company zu lenken, der er als CEO vorsteht: Azzurro Semiconductors in Magdeburg.

Wenn alles läuft wie geplant, dürfte Azzurro bald den weltweiten Halbleitermarkt revolutionieren. Die Firma produziert sogenannte Wafer mit einer neuartigen Beschichtung aus Galliumnitrid auf Silizium. Elektronikgiganten wie Osram, Samsung Chart zeigen und Infineon Chart zeigen können die Azzurro-Produkte in LEDs einbauen oder zu Leistungshalbleitern weiterverarbeiten.

Ins Leben gerufen wurde Azzurro von Magdeburger Wissenschaftlern, die am Prototyp jahrelang getüftelt hatten. Man kann sich die anfängliche Zusammenarbeit der Uni-Leute mit dem 2009 an Bord gekommenen Manager getrost als Kulturschock vorstellen: Hier die Forscher, verliebt in ihre Erfindung, immer auf der Suche nach weiteren Finessen und technologischem Neuland - um der Erkenntnis willen. Dort der Manager, der über 30 Jahre bei Siemens Chart zeigen, Infineon und Osram Führungserfahrung gesammelt hatte. Der aus der Silberscheibe ein marktfähiges Produkt machen will - und die meisten Wünsche der Forscher - "Wollen wir nicht mal?" und "Könnten wir doch auch!" - sogleich als irrelevant aussortiert.

Wolf - dynamisch, fröhlich, von Hindernissen ganz offensichtlich nicht aufzuhalten - ließ Patente sichern. Führte ein Qualitätsmanagement ein. Brachte hochkompetente und weltweit umworbene Schlüsselmitarbeiter an Bord, auch aus Japan und den USA, die er über sein internationales Netzwerk aufstöberte. Und bohrte zusammen mit seinem Vorstandskollegen Alexander Lösing (34) in 14 Monaten und rund 100 persönlichen Gesprächen die Investorenszene auf, bis das große Geld einstieg.

Es sind erfahrene Konzernmanager wie Wolf, auf die Wagniskapitalgeber setzen, wenn sie vielversprechende Gründungen zum Erfolg führen wollen. Alte Hasen, die aus einer brillanten Idee ein Unternehmen machen. Die wissen, wie eine Firma organisiert sein muss, wie man einen Vertrieb aufbaut, wie man Kunden gewinnt und Mitarbeiter führt. Die knallhart verhandeln können und nicht beim ersten Hindernis aufgeben. Und die Lust haben, den Konzern zu verlassen und noch einmal neu anzufangen - zunächst mit kaum mehr als Hoffnung im Gepäck.

Um solche tatkräftigen Entrepreneure werben derzeit alle großen Geldgeber. "Für echte Unternehmer" seien die Zeiten "golden", meint Venture-Capitalist Christian Reitberger von Wellington. Christian Leybold, Partner bei BV Capital und Eventure Capital Partners, sekundiert: "Geschäftsideen können sich ändern, bis ein Unternehmen an den Markt geht. Es sind die Teams, auf die wir setzen."

Investoren arbeiten intensiv mit Personalberatern zusammen, um geeignete Kandidaten aufzuspüren. Die Neuzugänge werden oft regelrecht als "Heilsbringer" gefeiert, beobachtet Immo Futterlieb von Heidrick & Struggles . Das Kalkül: "Erfahrene Manager sollen die Bauprinzipien der Konzerne auf das Start-up übersetzen, um die Grundlagen für eine schnelle Entwicklung zu legen."

Das klingt heroisch. Und gleichzeitig riskant, vor allem für typischerweise sicherheitsliebende Deutsche. Start-ups können scheitern. Die Sicherheit der Konzernkarriere bieten sie nicht.

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