Von Sören Jensen
Ein schlüssiges Konzept blieb das Unternehmen bislang schuldig. So verstärkt sich der Eindruck, dass es bei Praktiker 2013 primär um Personaleinsparungen geht. In Kirkel regiert die Kettensäge. Die zweite und dritte Ebene wird ausgedünnt, Posten werden heruntergestuft oder gestrichen. Der Frust ist groß, viele Manager haben das Haus verlassen oder suchen den Absprung.
Praktiker 2013 sorgte auch für einen Wechsel im Vorstand. Finanzchef Thomas Ghabel (44) kritisierte intern, dass sich das Programm zu wenig mit der Kundenseite auseinandersetzte; Ghabel musste gehen. Der gleichzeitige Abgang von Personalchef Karl-Heinz Stroh (55) hatte andere Gründe; der vormalige Bahn-Manager war im Vorstand isoliert.
Ghabel wurde durch Markus Schürholz (46) ersetzt, zuletzt Finanzvorstand bei Escada. Das Personalressort bekam zusätzlich der mit dem internationalen Geschäft eigentlich gut ausgelastete Michael Arnold (54). Im Ergebnis wurde ein Vorstandsposten abgeschafft.
Sparen scheint die Maxime zu sein. Im September muss Praktiker
eine Wandelanleihe über 150 Millionen Euro zurückzahlen, die zur Mitfinanzierung des Max-Bahr-Erwerbs aufgelegt wurde. Kein Gläubiger wird seine Papiere in Aktien umtauschen. Das würde sich erst bei einem Kurs von mehr als 33,77 Euro lohnen, Anfang März lag er bei rund 8,50 Euro.
Praktiker hat deshalb im Februar eine Unternehmensanleihe im Umfang von 250 Millionen Euro am Markt platziert. Mit dem Bond mit fünfjähriger Laufzeit hat sich das Unternehmen finanziell Luft verschafft - muss mit einem Zinskupon von fast 6 Prozent allerdings auch üppige Zinsen zahlen.
Derzeit rätselt die Fachwelt darüber, wie schlecht es dem Unternehmen wirklich geht. 2010 ist der Umsatz abermals kräftig geschrumpft - entgegen dem Aufwärtstrend der Branche.
Spekuliert wird, dass Praktiker die türkische Tochtergesellschaft verkaufen will, um sich finanziell Luft zu verschaffen. In Kirkel heißt es: "Wir äußern uns nicht zu derartigen Gerüchten."
Ein Dementi hört sich anders an.