Donnerstag, 9. Februar 2012, 07:10 Uhr

manager magazin



01.09.2010
 

Indien

Das Inder-Net

Von Thomas Katzensteiner und Ursula Schwarzer

Das Inder-Net: Manager vom Subkontinent erobern die Märkte
Fotos
DPA

Ratan Tata, Megha Mittal, Anshu Jain: Reiche Unternehmer und top ausgebildete Manager vom Subkontinent erobern mit Geld und Know-how die Industriestaaten. Ein Gewinn für beide Seiten.

Der Mann, der auf den hübschen Namen Tulsi Tanti hört, spricht schnell, verschluckt die Hälfte der Wörter und ist mit seinem Singsang-Englisch überhaupt recht schwer zu verstehen. Aber es lohnt, dem etwas gedrungenen Herrn mit den drei Goldringen an der rechten Hand zuzuhören, denn er hat eine spannende Geschichte zu erzählen.

Tanti nimmt den Gast mit auf eine virtuelle Reise in die westindische Stadt Surat, wo er Anfang der 90er Jahre ein kleines Textilwerk betrieb. Ein mühsames Geschäft: Fast täglich brach die Stromversorgung zusammen, die Maschinen standen still. Genervt von den ständigen Produktionsausfällen, besorgte Tanti zwei Windräder für seine Fabrik. Die Anlagen funktionierten prima, und der Entrepreneur witterte ein Geschäft. Kurzerhand gründete er zusammen mit seinen drei Brüdern eine Windenergiefirma, die Suzlon Energy in Pune.

In den 15 Jahren, die seither vergangen sind, ist Suzlon mit 14.000 Beschäftigten auf Platz acht im globalen Ranking der Windenergiebranche aufgestiegen. Und dabei wird es nicht bleiben, denn Suzlon übernimmt gerade den norddeutschen Konkurrenten Repower Chart zeigen.

91 Prozent der Repower-Anteile besitzt Suzlon bereits. Wenn Tanti auch noch die restlichen 9 Prozent eingesackt hat, wird ihn der gesamte Deal rund zwei Milliarden Euro gekostet haben. Ein teures Unterfangen, für das sich sein Konzern enorm verschulden musste. Doch das kümmert Tanti kaum. Er kennt nur ein Ziel: Mit den Hochtechnologieprodukten von Repower das Suzlon-Portfolio zu ergänzen und damit seine Präsenz auf den globalen Märkten auszuweiten.


Investieren, expandieren, internationalisieren - die Currykapitalisten erobern in erstaunlichem Tempo die westliche Welt. Erst gingen sie in die Vereinigten Staaten und nach Großbritannien, wo sie sich sprachlich am besten zurechtfanden. Nun rückt immer mehr Kontinentaleuropa in ihren Fokus, und da vor allem Deutschland (siehe Tabelle links).

Anders als bei den Chinesen genießt die Sicherung von Rohstoffquellen in Afrika oder Lateinamerika bei den Indern - noch - keine Priorität. Derzeit wollen sie vor allem in der Industrie und im Dienstleistungssektor Fuß fassen. Und weil es vielen zu lange dauert (und es auch zu teuer ist), jenseits der Grenzen eigene Unternehmen aufzubauen, greifen sie zu, wenn sich eine Kaufgelegenheit bietet - bei Stahlwerken und Modelabels, Pharmafirmen und Autozulieferern, IT-Spezialisten und Bankhäusern.

Der Preis spielt oftmals eine untergeordnete Rolle. Geld ist reichlich vorhanden. Das Wirtschaftswachstum des Subkontinents, das selbst während der weltweiten Rezession zwischen 6 und 7 Prozent lag, spült üppige Gewinne in die Kassen. "Die indischen Firmen sind generell sehr ertragsstark", sagt Bernhard Steinrücke, Chef der Deutsch-Indischen Handelskammer in Mumbai.

Reine Finanzbeteiligungen interessieren die Inder in der Regel nicht. Auch von Joint Ventures lassen sie normalerweise die Finger. "Meine Landsleute bevorzugen strategische Investitionen, die ihnen eine Mehrheit an den ausländischen Unternehmen sichern - mit voller Kontrolle über Vertriebswege und Marken, über Kundendaten und Hightech-Anlagen", sagt Ian Gomes, Indien-Spezialist der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG.

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