Von Gisela Maria Freisinger und Helene Endres
mm: Sie sind Anwältin, vierfache Aufsichtsrätin und mit der Mehrheitsübernahme bei Togal auch noch Unternehmerin geworden. Bescherte Ihnen das neue Erfahrungen in der Männerwelt Wirtschaft?
Weiss: Als wir vor zwei Jahren anfingen, haben wir zunächst zwei Vorstände eingesetzt, Männer. Das war ein Schuss in den Ofen. Wir mussten die Herren relativ barsch beseitigen und bestellten dann zwei Frauen. Seitdem läuft's. Die leitenden Funktionen sind mittlerweile alle mit Frauen besetzt.
mm: Wollen Sie uns auf den Arm nehmen?
Weiss: Das sind die Fakten. Die Frauen sind engagierter, kreativer und auch fleißiger; sie haben viel mehr Gespür für das Geschäft und die Menschen und kommen außerdem wunderbar mit den Stakeholdern zurecht.
mm: Die Herren Manager werden aufhorchen.
Weiss: Ich hoffe. Jedenfalls erzähle ich meine Erfahrungen jedem, der sie hören will oder auch nicht. Die Männer haben das Geld mit beiden Händen hinausgeschmissen, und die Frauen schaffen es jetzt wieder herein.
Weiss: Ganz im Gegenteil. Es gibt mittlerweile so viele Studien zur Performance von Unternehmen, die beweisen, dass überall dort, wo Frauen das Sagen haben, der Erfolg wesentlich besser ausfällt. Aber um die Kirche im Dorf zu lassen: Diese Studien gehen immer von gemischten Teams aus.
mm: Was ist das Erfolgsgeheimnis femininer Unternehmensführung?
Weiss: Frauen arbeiten sorgfältiger und engagierter. Das behaupte ich bewusst in dieser Pauschalität.
mm: In welchem Sinne sorgfältiger?
Weiss: Engagierter, überlegter und durchaus auch strategischer. Ich habe oft das Gefühl, die denken weiter und nehmen unangenehme Dinge in Angriff.
mm: Männer etwa nicht?
Weiss: Männer sind - das kann man auch in persönlichen Beziehungen beobachten - konfliktscheuer. Frauen stellen sich Konflikten eher. Woran das liegt, weiß ich nicht, aber es ist so!
mm: Was muss außer Unerschrockenheit noch ins Schatzkästchen einer erfolgreichen Frau in der deutschen Wirtschaft?
Weiss: Fleiß.
mm: Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen?
Weiss: Ich habe immer fleißig gearbeitet und mein Leben meinem Beruf gewidmet.
mm: Also nicht den Kindern?
Weiss: Ich habe keine Kinder. Mein Beruf war und ist immer an erster Stelle.
mm: Die Gesellschaft unterstellt Topfrauen häufig genug, herzlose Monster zu sein, die alles dem Götzen Erfolg opfern.
Weiss: Da ist der Spaß an meiner Arbeit davor. Aus der Tätigkeit im M&A-Geschäft heraus hat sich das Unternehmersein entwickelt. Irgendwann kam mir der Gedanke, was ich für andere mache, bekomme ich auch für mich hin.
mm: Auf den Appetit folgte der Biss ...
Weiss: Das ist jetzt gut 20 Jahre her, und ich war damals und bin bis heute meistens die einzige Frau und werde immer besonders begrüßt. Es klingt schon arg komisch, wenn Sie hören: "Meine Dame und meine Herren".
mm: Frauen und Macht ist ein Tabuthema.
Weiss: Dabei ist jeder Mensch interessiert an Macht. Das geht in der Beziehung oder Ehe los, setzt sich in der Familie fort, im engeren und weiteren Bekanntenkreis und natürlich auch im Beruf. Macht macht nicht nur sexy, Macht ist sexy. Wer das bestreitet, der lügt.
mm: Sind Sie für oder gegen die Quote, wenn es darum geht, dass Frauen endlich mit in die deutschen Vorstandsetagen und Aufsichtsräte einziehen?
Weiss: In dieser Hinsicht bin ich vom Saulus zum Paulus geworden. Es muss Druck her, sonst ändert sich nichts.
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