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03.05.2010
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Internet

Die Welt ist nicht genug

Von Simon Hage und Christian Rickens

8. Teil: "The war for the web"

Apple-Chef Steve Jobs gilt als unverbesserlicher Kontrollfanatiker, was hierzulande vor allem die Deutsche Telekom zu spüren bekam: Bis heute darf T-Mobile als einziger Mobilfunk-Provider den Kassenschlager iPhone in Deutschland vertreiben. Doch die Exklusivität ließ sich Apple mit Summen von schätzungsweise bis zu 500 Euro pro iPhone subventionieren. Auch die Kosten für das aufwendige Vertriebsmarketing wurden zu großen Teilen der Telekom aufgebürdet. Die Hoheit über die inhaltliche Gestaltung der Werbekampagne blieb selbstverständlich bei Apple.

iPad: Ein, zwei Flops bei neuen Produkten, und Apples Nimbus ist dahin
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REUTERS

iPad: Ein, zwei Flops bei neuen Produkten, und Apples Nimbus ist dahin

Gleichzeitig gefährdet Apple etablierte Geschäftsmodelle ebenso wie Google. Diese Erfahrung machte der Bezahlfernsehsender Sky Chart zeigen. Spätestens seit Apples Onlineshop Serien und Filme für zwei bis vier Euro anbietet, lassen sich Konsumenten immer schwerer zur Zahlung einer fixen monatlichen Pay-TV-Gebühr bewegen. Die Folge: Der Umsatz des Münchener Bezahlsenders schrumpft, das Ergebnis ist tiefrot. "Was Apple im TV-Bereich macht, ist richtig gut", seufzt ein Sky-Funktionär. "Darauf waren wir nicht vorbereitet."

Der Musik- und Filmbranche hat Jobs seine Regeln bereits oktroyiert. Im Geschäft mit Smartphone-Applikationen hält sein App-Store einen Marktanteil von 99 Prozent. Nun hat Jobs die nächste Branche im Visier. Buch-, Zeitschriften- und Zeitungsverlage werden sein neuestes Produkt mit Inhalten füllen: das iPad, ein flunderflacher Computerbildschirm für unterwegs.

Kaum hatte Jobs das Gerät in Messiasmanier angekündigt, begannen in deutschen Großverlagen die iPad-Projektgruppen zu tagen. Alle wollen mit ihren Inhalten auf dem neuen Gerät vertreten sein, angelockt von der vagen Hoffnung, dort endlich Vertriebserlöse für ihre defizitären Online-Medien zu erzielen.

Apple gegen Microsoft gegen Google gegen den Rest der Wirtschaft: Wie wird dieser Kampf um die Vorherrschaft im Internet enden? Und wie sollen sich deutsche Unternehmen verhalten, deren Geschäftsmodell beim Ringen der drei als Kollateralschaden auf der Strecke zu bleiben droht?

Der kalifornische Computerbuchverleger Tim O' Reilly gilt als führender Vordenker der US-Internetwirtschaft. 2004 prägte er den Begriff Web 2.0 für die neuen, offenen Softwarestandards, mit denen sich Inhalte im Web austauschen und zu neuen Seiten vermischen lassen.

Für das, was sich nun im Internet abspielt, hat er eine andere Überschrift: "The war for the web", der Krieg ums Netz. Google, Apple, Microsoft und eine Handvoll anderer Unternehmen kämpfen um die Herrschaft über die digitale Identität des Kunden, inklusive Konsumvorlieben, demografische Daten, Aufenthaltsort - und Kreditkartennummer.

"Im Moment scheint Apple in diesem Kampf zu führen", sagt O'Reilly. Doch es reichten "ein, zwei Flops bei neuen Produkten, und Apples Nimbus ist dahin".

Der Erfolg von Google stünde hingegen auf breiterer Basis, "und vor allem basiert er nicht darauf, den Nutzer in ein geschlossenes System zu zwingen". Aber auch Microsoft könnte durchaus noch gleichziehen, wenn es lernt, aus der gewaltigen Zahl der Kunden, die Microsoft-Programme auf dem PC nutzen, auch online mehr herauszuholen.

Es wird deutlich: Die Zukunft der drei Netzgiganten ist so offen wie das Internet selbst. Für deutsche Konzerne wäre es fatal, ausschließlich auf einen aus dem Trio zu setzen.

Wie es besser geht, zeigt O'Reilly in seinem gleichnamigen Computerbuchverlag mit immerhin 270 Mitarbeitern: Zwar bietet er seine Bücher auch als iPhone-Apps an. Doch dass er sich auf diesen Vertriebsweg nicht allein verlassen sollte, weiß O'Reilly spätestens seit sich Apple weigerte, einen seiner Titel ins Sortiment aufzunehmen: ein Handbuch für das iPhone-Konkurrenzsystem Android von Google.

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