Von Klaus Boldt und Astrid Maier
In der Königsdisziplin des Marketings (dort eine Nachfrage schaffen, wo keine war) ist auch Google bislang weitgehend erfolglos geblieben. Sandberg ist überzeugt davon, dass Facebook - wenn es nur erst wirklich weltumfassend ist - der ideale Transporteur für die großen Werbebotschaften ist. Coca-Cola hat auf seiner Facebook-Seite schon heute über vier Millionen registrierte Anhänger.
Das Verheißungsvolle, das der Facebook-Strategie innewohnt, dazu der ständige Hunger nach frischem Kapital machen das Unternehmen aus Palo Alto zu einem der attraktivsten (und teuersten) Übernahmeziele der Wirtschaft.
Doch wie munter Facebook heute auch erscheinen mag und wie lohnenswert eine Beteiligung, so schweben die Firmen dieser Industrie, die sich in einem frühen Stadium ihrer Entwicklung befindet, naturgemäß ständig in Gefahr.
Jüngste Ereignisse zeigen, dass selbst die größten Websites binnen Kurzem dem Verderben anheimfallen können: AOL, vor zehn Jahren eine der mächtigsten Firmen der Welt, ist, vom Fortschritt fast vertilgt, nur noch ein Haufen Elend.
MySpace, der entthronte Marktführer unter den Sozialnetzen, befindet sich, lallend und gurgelnd, in einer Periode des Erlahmens, des Stillstands, der Zurückweichens und womöglich gar des Abbröckelns und der Zersetzung.
"Wir streben nicht danach, die Supermacht von irgendetwas zu sein. Aber wir wollen helfen, die Welt zu vernetzen mit Menschen, Entwicklern, Produkten und Marken." Sandbergs sorgfältig gesalbte Worte zaubern einen verklärten Ausdruck auf das Gesicht von Debbie Frost, der Engländerin: Die Welt vernetzen und so - hört sich doch gut an. Ja, es lief alles glatt, Sandberg ließ Facebook mal wieder richtig gut aussehen, wirkte selbstbewusst, aber nicht eitel, erfolgsgewohnt, aber doch immer hübsch bescheiden.
Das Besprechungszimmer mit der Glaswand ist leer: Mark Zuckerberg und seine Besucher sind weg, wahrscheinlich irgendwo im Netz.