Von Simon Hage
Im November haben die Partner Phineo gegründet, eine gemeinnützige Aktiengesellschaft, die die Plattform betreiben und im April 2010 starten soll. 300 Projekte haben die Analysten geprüft, die 80 besten werden zum Auftakt veröffentlicht. Wenn alles gut läuft, soll Phineo wie eine Art Broker zwischen Investoren und Sozialprojekten funktionieren - sogar eine Bezahlfunktion ist vorgesehen, sodass über Phineo direkt gespendet werden kann. "Wir wollen sicherstellen", so Andreas Rickert, Projektleiter bei der Bertelsmann Stiftung, "dass die investierten Gelder den maximalen gesellschaftlichen Erfolg erzielen."
Kunz ist kein Sozialromantiker, sondern Bankkaufmann und Wirtschaftspädagoge. Er kann seinen Erfolg mit Zahlen belegen: Seit er das Projekt vor zehn Jahren gestartet hat, bildeten sich 1600 Unternehmen - vom kleinen Tierpflegebetrieb bis zur Tiefbaufirma mit 40 Beschäftigten. Zwar hat jede Gründung im Schnitt 5000 Euro gekostet, doch der gesellschaftliche Ertrag liegt deutlich höher: Berechnet man eingesparte Hartz-IV-Gelder und zusätzliche Steuereinnahmen, hat jede neue Firma 15.000 Euro erbracht - eine Rendite, die sich sehen lassen kann.
Begonnen hatte das Unternehmen in Brandenburg an der Havel. Inzwischen gibt es das Projekt mit dem Namen "Enterprise" auch in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen. "Mein Ziel ist es, das Konzept bundesweit zu etablieren", sagt der Sozialunternehmer. Mit seinen hochgesteckten Zielen verstärkt Kunz den Druck auf andere. Wohltätige Einrichtungen, so viel steht fest, müssen sich künftig verstärkt an Erfolgskriterien messen lassen. "Der Kampf um Spendengelder wird härter", bemerkt Erwin Stahl, Geschäftsführer des sozial orientierten Fonds Bonventure. "Transparenz und Effizienz sind zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil geworden." Auch über Bonventure können Investoren förderungswürdige Projekte unterstützen.
Konzentrieren Anleger ihren Spendenfluss weiter auf die besten Projekte, könnte es zu einer Marktbereinigung kommen. Die Folge: Organisationen ohne nachweisbare gesellschaftliche Wirkung müssten das Feld für die schlagkräftigere Konkurrenz räumen.
"Je transparenter der Markt sich entwickelt, desto schneller verbreiten sich gute Ideen", sagt Frank Mattern, McKinsey-Chef in Deutschland, "und desto besser können andere Sozialunternehmer die erfolgreichen Rezepte nachahmen."
Damit steigt auch die soziale Dividende für die Investoren: Setzen sich die wirkungsvollsten Konzepte durch, ist maximaler gesellschaftlicher Wandel, wie Breuninger, Klatten & Co. ihn erreichen wollen, keine Utopie mehr.
Eine pekuniäre Rendite sollten Privatinvestoren dagegen nicht anstreben. Otto Happel, der bereits seit 15 Jahren mit einer eigenen Stiftung im sozialen Bereich aktiv ist und nicht nur Ashoka unterstützt, sondern auch Stipendien in Vietnam vergibt, kennt nur einen Bereich des Social Investings, in dem Renditen realistisch sind: "Bei Mikrokrediten sind Investment-Returns möglich, denn die Banken, die Minidarlehen vergeben, erwirtschaften Zinsen und damit Gewinne."
Während Happel selbst auf diesem Gebiet nicht aktiv ist, investiert Stephen Brenninkmeijer seit Jahren in Mikrofinanzbanken. Entscheidend für sein Engagement sei die erzielbare Rendite - 7 bis 9 Prozent - aber nicht: Mikrokredite, so Brenninkmeijer, seien vor allem "wirksame Instrumente gesellschaftlichen Wandels".