16.02.2010
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Soziale Marktwirtschaft in Gefahr

Kampf ums Geld

Von Eva Müller

8. Teil: Grundkonsens unserer Gesellschaft ändern

Schon sagen die Prognosen für 2010 eine Zunahme der Arbeitslosigkeit um 700.000 Menschen voraus. Und längst ist in Deutschland ein Arbeitsplatz keine Garantie mehr für ein auskömmliches Einkommen. Mittlerweile hat ein Niedrig- löhner - gegenwärtig schon mehr als 20 Prozent aller Erwerbstätigen - gerade einmal die Hälfte der Summe zur Verfügung, die ein Durchschnittsverdiener nach Hause bringt. Und wenn die Wirtschaft nicht bald wieder ein starkes Plus produziert, wird sich die Schere immer weiter öffnen.

"Für mich gilt der erste thermodynamische Grundsatz auch für die Wirtschaft: Von nix kommt nix."    Wolfang Reitzle , Vorstandschef Linde
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DPA

"Für mich gilt der erste thermodynamische Grundsatz auch für die Wirtschaft: Von nix kommt nix."
Wolfang Reitzle, Vorstandschef Linde

Nullwachstum - das bedeutet düstere Aussichten für Deutschlands Zukunft. Ein Heer von Geringverdienern in Dienstleistungsjobs, die zusätzlich staatliche Stütze brauchen. Massenhaft Alte, die von ihren Renten nicht leben können. Immer weniger Mittelstand mit ordentlichem Einkommen, der all diese Sozialleistungen finanzieren muss. Und die gut ausgebildeten Jungen verlassen in Scharen das Land, um andernorts ihr Glück zu machen.

Mit einem solch trüben Szenario indes wollen sich Wirtschaftsführer wie von Bomhard, Heraeus oder Reitzle nicht abfinden. Als echte Unternehmertypen erteilten sie beim Ameranger Disput der Resignation eine glatte Absage: Schwaches Wachstum einfach als gegeben anzunehmen und nur noch darüber zu sinnieren, wie der schrumpfende Kuchen zu verteilen sei, um einigermaßen Ruhe und Frieden zu wahren - diese Vorstellung hielten sie schlicht für inakzeptabel.

"Wir müssen den Grundkonsens unserer Gesellschaft ändern", fordert Reitzle: "Statt immer zuerst über die Gerechtigkeit einer Maßnahme zu diskutieren, sollten wir zuvörderst darüber nachdenken, wie wir überhaupt Wachstum erzeugen können."

Klar, in Zeiten von Klimawandel und weiter zunehmender Weltbevölkerung dürfe dieses Wachstum nicht mehr wie bisher auf einem Raubbau an Umwelt und Ressourcen beruhen. Aber das ändere nur die Qualität, nicht das Prinzip.

Deshalb solle sich die Wirtschaft auf ihre Innovationskraft besinnen, plädiert Ingenieur Reitzle leidenschaftlich: "Deutschland kann bei den großen Zukunftsthemen eine Führungsrolle übernehmen. Dadurch entstehen ganz neue Industrien und damit entsteht auch wieder starkes Wachstum."

Aber: Eine solche Wende ist nicht in ein paar Quartalen vollzogen - sie dauert einige schmerzhaft lange Jahre.

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