Vor dem Ruhestand
Rentenlüge
Von Hermann Simon
Viele Topleute erleben den Übergang in den Ruhestand als eine schwierige, ja gefährliche Phase. Was also tun, wenn man in Pension geht? Am besten: weitermachen.
Wenn man jenseits der 60 ist (diesem Zustand bin ich selbst seit einiger Zeit ausgesetzt), beschäftigt man sich nicht nur mit der dritten Lebensphase, sondern erlebt auch, wie zunehmend Altersgenossen, Geschäftspartner, Freunde, Bekannte in den Ruhestand treten und wie sie damit fertig werden.
Corbis
Rente: Viele Manager werden im Ruhestand zu "Hobbyisten"
Viele erleben diesen Prozess als eine schwierige, ja gefährliche Phase. Es geht mir nachfolgend nicht um Statistiken aus der Demoskopie oder der Altersforschung, sondern um persönliche Eindrücke Erfahrungen und Konsequenzen.
Die Risiken dieser Lebensphase, so spüre ich, sind enorm und geben Anlass zum Nachdenken. Ich habe selbst Konsequenzen gezogen, seit ich nicht mehr für das operative Geschäft in unserem Unternehmen verantwortlich bin.
Die Betroffenen gehen sehr unterschiedlich mit der neuen Situation um; meinem Eindruck nach gibt es im Wesentlichen drei Gruppen:
- Die erste und größte Gruppe freut sich auf den Ruhestand und versucht, ihn zu genießen. Endlich habe man einmal Zeit, den eigenen Interessen und Hobbys, die während der aktiven Berufstätigkeit stets zu kurz gekommen seien, nachzugehen, sagen die Angehörigen dieser Gruppe. Ich nenne sie die "Hobbyisten".
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Die zweite Gruppe sucht sich neue Tätigkeiten, die meist nicht allzu weit von den beruflichen Kompetenzen entfernt liegen. Diese Typen bezeichne ich als die "Weitermacher".
- Eine dritte Kategorie baut einfach ab. Vor Jahren las ich eine erschreckende Statistik, nach der ein Drittel aller Führungskräfte innerhalb von fünf Jahren nach ihrer Pensionierung sterben. Ich weiß nicht, ob diese Zahlen stimmen, aber in meinem Gesichtskreis kenne ich nicht wenige Fälle, die dieses Schicksal ereilt hat. Oft handelt es sich hierbei nach meinem - zwangsläufig nicht repräsentativen - Eindruck um Führungskräfte, die ihr Amt verkrampft, mit großer Anstrengung und entsprechendem Nervenverschleiß ausgeübt haben. Es scheint mir auch, dass in dieser Gruppe überproportional Manager vertreten sind, die unter dem Status- und Machtverlust leiden.
Wer das beeinflussen kann, wird alles tun, nicht zur dritten Gruppe zu gehören. Wie aber soll man "Hobbyisten" und "Weitermacher" gegeneinander abwägen? Ich habe hierzu eine klare persönliche Meinung. Wenn Sie es können, dann entscheiden Sie sich fürs Weitermachen und gegen das Hobby als Lebenszweck. Warum? Hier sind einige zwar persönlich gefärbte, aber auch empirisch untermauerte Argumente: