Von Michael Freitag und Dietmar Student
VI. Held der Arbeit?
Wendet sich am Ende für Klaus Franz doch noch alles zum Guten? Er war ja auf bestem Wege, eine Art Held der Arbeit zu werden, ein Recke der Republik.
Ob er das Bundesverdienstkreuz annehmen würde, sollte Betriebsratsvize Peter Klein bei ihm vorfühlen. Nee, ließ Franz ausrichten. Aber die Opel-Beschäftigten, die hätten es verdient.
Der König von Rüsselsheim ist er ohnehin längst. "Ich kann nicht mehr in Ruhe einkaufen, das normale Leben ist für mich und meine Familie sehr kompliziert geworden." Zu Hause bleibt das Thema ja auch nicht vor der Haustür. Seine Frau, eine Diplomsoziologin, beschäftigt sich seit Jahren mit der Rüsselsheimer Stadtgeschichte. Und Rüsselsheim ist Opel. "Opel ist mein Leben und das meiner Familie", sagt Klaus Franz.
Als was er nun in die Wirtschaftsgeschichte eingehen wird, als GröBaZ, als größter Betriebsrat aller Zeiten, oder als größenwahnsinniger Verlierer, hängt davon ab, was die neuen, alten Herren aus seinem Projekt Opel machen.
GM, das zeichnet sich ab, wird sich zumindest in Grundzügen an dem orientieren, was schon Magna für Opel geplant hatte. Drei Werke hatten die Amerikaner 2009 schließen wollen, darunter die deutschen Fabriken in Bochum und Eisenach. Jetzt will Europa-Chef Reilly höchstens im belgischen Antwerpen die Bänder für immer stoppen.
GM-Chef Whitacre und Opel-Sanierer Reilly sind jedenfalls gut beraten, sich mit Klaus Franz zu arrangieren. Der Betriebsratschef ist eine der wenigen Konstanten im Kampf um Opel. Er musste zwar schmerzhaft lernen, dass sich die Arbeitnehmer ihren Eigentümer nun mal nicht aussuchen können, auch nicht im gegenwärtigen Arbeiter- und Retterstaat BRD.
Aber Franz wäre nicht Franz, gäbe er jetzt auf. Rückschläge hat er schließlich genug erlebt, seit er 1999 die Spitze des Betriebsrats übernahm. Das "Alles wird gut"-Plakat hängt nach wie vor an der Pinnwand in seinem Büro.
Hängen lassen hat er allerdings auch eine Fotomontage aus alten Zeiten: ein kleiner Supermarkt irgendwo in einem englischen Seebad, von Franz abgelichtet während eines Sprachtrainings. "Costcutter" steht in großen Lettern über dem Schaufenster, "Preisdrücker". Darübergeklebt hat er seine eigene Assoziation: "Headquarter of GM Europe".