14.12.2009
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Wirtschaftskrise

Schicksalsjahr 2010

Von Henrik Müller und Christian Rickens

Die Konjunkturforscher sagen einen Aufschwung voraus. Doch für viele Unternehmen fängt die Krise erst an. Wo die Beschäftigten bislang noch in Kurzarbeit sind, drohen Entlassungen. Und manche Firmen können gar nicht so schnell Kosten und Kapazitäten verringern, wie es nötig wäre. Nur wer genug Bares hat, überlebt.

Als die Welt noch einfacher war, da stellten sich Ökonomen die Wirtschaft gern als ein Gummiband vor, das an beiden Enden auf eine Holzplatte genagelt war. Eine Rezession würde das Gummiband nach unten ziehen. Wäre die vorübergehende Nachfrageschwäche vorbei, würde das Band wieder nach oben schnellen. "Auf einen starken Rückgang der Wirtschaftsleistung folgt in der Regel ein starker Aufschwung", formulierte einst Milton Friedman, der diese "Zupftheorie" ersonnen hatte.

Bis heute hat seine Lehre viele Anhänger. Auf die tiefste Rezession seit Generationen, so glauben sie, müsse nun ein "v-förmiger" Aufschwung folgen. Katapultgleich komme die Wirtschaft wieder aus dem Tief heraus.

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Aufschwung? Bei dem Wort muss Heinrich Weiss dann doch schmunzeln. Nein, davon könne nun wirklich keine Rede sein, sagt der Unternehmer. Eher spitze sich die Krise noch mal deutlich zu: "Das Gerede von einer raschen Erholung ist Wunschdenken. Wir haben eine lange Schwächeperiode vor uns."

Heinrich Weiss hat schon viel erlebt. Die ererbte Anlagenbaufirma SMS führte der Ingenieur über dreieinhalb Jahrzehnte und fünf Rezessionen hinweg von 70 Millionen zu dreieinhalb Milliarden Euro Umsatz. Anfang der 90er diente Weiss als Präsident beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Er sitzt in zahlreichen Aufsichtsräten, unter anderem bei der Deutschen Bahn. Und zwischendrin, davon zeugen die Souvenirs in Weiss' Büro, blieb auch noch Zeit, um das eine oder andere Flugzeug zu pilotieren, den einen oder anderen Sportwagen zu fahren und viele Zigarren zu rauchen.

So viel Erfahrung sorgt für Gelassenheit. Die Krise mache ihn nicht nervös, sagt Weiss, man habe vorgesorgt. Aber für viele andere Firmen werde es erst im kommenden Jahr richtig eng.

"Das Gerede von einer raschen Erholung ist Wunschdenken."

Heinrich Weiss, Vorstandschef des Anlagenbaukonzerns SMS

Es sieht ganz so aus, als werde 2010 ein Schicksalsjahr. Die akute Rezession geht zu Ende, doch statt einer spürbaren Erholung schließt sich eine chronifizierte Dauerkrise an. Viele Betriebe stehen still. Wo die Beschäftigten bislang noch in Kurzarbeit sind, drohen Entlassungen und Betriebsschließungen.

Sang- und klanglos verschwinden seit Anfang des Jahres Monat für Monat 20.000 Jobs in der Metall- und Elektroindustrie. Und manche Unternehmen können gar nicht so schnell die Kosten und Kapazitäten verringern, wie es erforderlich wäre, um das Überleben zu sichern.

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