Von Henrik Müller und Christian Rickens
Als die Welt noch einfacher war, da stellten sich Ökonomen die Wirtschaft gern als ein Gummiband vor, das an beiden Enden auf eine Holzplatte genagelt war. Eine Rezession würde das Gummiband nach unten ziehen. Wäre die vorübergehende Nachfrageschwäche vorbei, würde das Band wieder nach oben schnellen. "Auf einen starken Rückgang der Wirtschaftsleistung folgt in der Regel ein starker Aufschwung", formulierte einst Milton Friedman, der diese "Zupftheorie" ersonnen hatte.
Bis heute hat seine Lehre viele Anhänger. Auf die tiefste Rezession seit Generationen, so glauben sie, müsse nun ein "v-förmiger" Aufschwung folgen. Katapultgleich komme die Wirtschaft wieder aus dem Tief heraus.
Heinrich Weiss hat schon viel erlebt. Die ererbte Anlagenbaufirma SMS führte der Ingenieur über dreieinhalb Jahrzehnte und fünf Rezessionen hinweg von 70 Millionen zu dreieinhalb Milliarden Euro Umsatz. Anfang der 90er diente Weiss als Präsident beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Er sitzt in zahlreichen Aufsichtsräten, unter anderem bei der Deutschen Bahn. Und zwischendrin, davon zeugen die Souvenirs in Weiss' Büro, blieb auch noch Zeit, um das eine oder andere Flugzeug zu pilotieren, den einen oder anderen Sportwagen zu fahren und viele Zigarren zu rauchen.
So viel Erfahrung sorgt für Gelassenheit. Die Krise mache ihn nicht nervös, sagt Weiss, man habe vorgesorgt. Aber für viele andere Firmen werde es erst im kommenden Jahr richtig eng.
"Das Gerede von einer raschen Erholung ist Wunschdenken."
Heinrich Weiss, Vorstandschef des Anlagenbaukonzerns SMS
Sang- und klanglos verschwinden seit Anfang des Jahres Monat für Monat 20.000 Jobs in der Metall- und Elektroindustrie. Und manche Unternehmen können gar nicht so schnell die Kosten und Kapazitäten verringern, wie es erforderlich wäre, um das Überleben zu sichern.