Von Klaus Werle
mm: Herr Lauer, erstmals seit Langem ist der beliebteste Arbeitgeber für Wirtschaftswissenschaftler kein Autokonzern, sondern die Lufthansa. Wie erklären Sie sich den Höhenflug?
Lauer: Wir haben in den vergangenen Jahren viel für unsere Marke als Arbeitgeber getan: Unser Auftritt im Netz wurde vereinheitlicht, wir treten verstärkt an Universitäten auf und bieten duale Studienprogramme an, etwa zum Luftverkehrskaufmann in Kooperation mit der European Business School. Zudem behauptet sich das Unternehmen erfolgreich am Markt und ist durch Zukäufe von einem deutschen zu einem wirklich globalen Konzern geworden. Das ist attraktiv.
mm: Warum gibt es dann seit Mitte 2008 einen Einstellungsstopp für Zentralfunktionen und Passagiergeschäft?
Lauer: Wenn im operativen Geschäft die Erlöse wegbrechen, muss man eben reduzieren. Es war eine Grundsatzentscheidung, auch in den Konzern hinein, dass wir ernsthaft sparen müssen.
mm: Zu der Milliarde, die die Lufthansa
Lauer: Moment! In den vergangenen zehn Jahren haben wir im Schnitt jährlich 450 Akademiker eingestellt. Auch in der jetzigen Lage agieren wir mit Augenmaß und machen die Schotten nicht komplett dicht. Wir stellen weiterhin bei den Lehrlingen ein, ebenso in der Technik. Auch unser Bachelor-Studiengang zum Luftverkehrskaufmann sowie das Trainee-Programm laufen weiter, wenn auch reduziert.
mm: Welche Bewerber haben die besten Chancen?
Lauer: Wir suchen Leute, die sich mit der Lufthansa identifizieren und mit Leidenschaft bei der Sache sind, anstatt im Job nur die Zeit zwischen Ein- und Ausstempeln zu überbrücken. Gute bis sehr gute Noten sind wichtig; internationale Erfahrung sowie die Bereitschaft, sich auf andere Kulturkreise einzulassen, sind unabdingbare Kriterien.
mm: Und was bieten Sie den Einsteigern?
Lauer: Weil wir mit System in die Mitarbeiter investieren wollen, gibt es auf jedem Level intensive Aus- und Weiterbildungsprogramme sowie die Möglichkeit, verschiedene Länder und Konzernbereiche kennenzulernen. Dazu eine der besten betrieblichen Altersvorsorgen in Deutschland und ein ordentliches Gehalt. Vergütungshypes dagegen haben wir immer abgelehnt. Die Lufthansa will die Leute nicht primär mit Geld motivieren.
mm: Was wäre für Sie ein K.-o.-Kriterium bei einem Kandidaten?
Lauer: Wenn jemand Anpassungsfähigkeit mit Angepasstheit verwechselt. Der Lebenslauf darf gern etwas exotischer sein, wir wollen keine Gestreamlineten. Allerdings sollte das Anderssein zur Persönlichkeit passen. Sonst ist es narzisstische Spielerei, und die tut keiner Firma gut.
© manager magazin 9/2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH