Von Anne Spies und Klaus Werle
Auf der nächsten PwC-Ebene, beim "Senior Manager", beträgt der Bonus bereits vier bis zehn Monatsgehälter - bei einer Gesamtzielvergütung zwischen 100.000 und 150.000 Euro. "Der größte Kostenblock bei Professional-Service-Firmen sind die Personalkosten", sagt PwC-Personalvorstand Marius Möller. "Deshalb wollen wir Mitarbeiter umso variabler entlohnen, je höher sie aufsteigen." Trotzdem, so Möller, seien die Boni selbst im Krisenjahr 2008 im Schnitt um nur 10 Prozent niedriger ausgefallen als im Vorjahr.
Hogg selbst ist keiner, der noch auf den letzten Euro schielt: "Mir waren vor allem die besseren Entwicklungsperspektiven wichtig." Jetzt zahlt ihm PwC das MBA-Programm an der Goethe Business School, das er zusätzlich zu seiner 60- bis 80-Stunden-Woche gerade begonnen hat - und bietet die Aussicht, in zehn bis zwölf Jahren zum Partner aufsteigen zu können. Die verdienen dann zwischen 250.000 und einer Million Euro. "Diese Perspektive, ebenso wie die Funktion von PwC als Sprungbrett in die Industrie, ist unser großes Plus. Wenn sie weiter stimmt, nehmen die Mitarbeiter auch Einbußen beim Bonus hin", sagt Vorstand Möller.
Die viel zitierte Perspektive - sie ist so wichtig, weil die Vergütungssphären ganz oben noch immer meist nur über die Hierarchie zu erklimmen sind - trotz viel gesungener Firmenhymnen auf die Fachkarriere. "Sie stößt deutlich früher an Gehaltsgrenzen als die Führungslaufbahn", sagt Joachim Betz (61), seit 2005 Präsident des Deutschen Führungskräfteverbands. Dies spiegelt sich auch in den Ergebnissen des Gehaltsreports. Das Durchschnittsgehalt eines leitenden Angestellten im oberen Management in einer Prokuristenposition liegt hier bei 91.000 Euro - ein Geschäftsführer oder Vorstand kommt aber auf 136.000 Euro.
Was allerdings nicht bedeutet, dass eine Fachlaufbahn gleichbedeutend mit finanzieller Stagnation ist. Betz' eigene Karriere ist ein Beispiel dafür, wie das Gehalt auch ohne gigantische Sprünge in schöner Regelmäßigkeit bis in recht ansehnliche Regionen wachsen kann. 1980 stieg er in die Pharmaforschung von Hoechst ein - mit einem Jahreseinkommen von 71.500 D-Mark. 1995 wurde der studierte Biochemiker "Beauftragter für biologische Sicherheit", eine Art Risikomanager auf Abteilungsleiterebene, der als Oberaufseher über alle Gentechnikprojekte fungiert und direkt an die Geschäftsleitung berichtet. Über diverse Firmenfusionen hinweg blieb er in dieser Position, zuletzt bei Sanofi-Aventis Deutschland, wo er auch im Aufsichtsrat saß und die leitenden Angestellten als Sprecher vertrat, bis er vor einigen Monaten in Altersteilzeit ging. Obwohl aufstiegstechnisch also durchaus noch Luft nach oben war, kann Betz nicht klagen. Zuletzt kam er auf 120.000 Euro, plus einen variablen Bonus in Höhe von rund 20 Prozent.
Eine schöne, stetige Entwicklung - auch über Krisen hinweg. Vielleicht sind es Beispiele wie das von Betz, die Pate stehen für das wohl erstaunlichste Ergebnis des Gehaltsreports: Die Deutschen zeigen trotz angespannter Lage überraschend wenig Hang zum Nörgeln übers liebe Geld. Rund die Hälfte aller Umfrageteilnehmer war recht zufrieden mit dem eigenen Gehalt. Unter den Angestellten im oberen Management (Durchschnittsgage: knapp 109.000 Euro) waren es sogar 60 Prozent. Und das, obwohl diese Gruppe aufgrund des hohen variablen Anteils überdurchschnittlich stark von Kürzungen betroffen war. Allerdings sind ihre Bezüge in den vergangenen Jahren auch am stärksten gestiegen.
Am Ende ergibt sich eine zweigeteilte Diagnose. Die mageren Jahre, sie haben ohne Zweifel begonnen. Gekappte Boni, Kurzarbeit, freiwilliger Gehaltsverzicht, all das ist real. Doch trotz zurückhaltender Prognosen von Konjunkturforschern blicken die Gehaltsempfänger der Republik recht gelassen in die Zukunft. 85 Prozent der befragten Manager erwarten, dass die Gehälter in den nächsten fünf Jahren steigen werden. Jeder Fünfte glaubt für sich persönlich an ein Lohnplus von mehr als 20 Prozent. Das entspräche in etwa wieder den Zuwächsen vor 2007. Besonders optimistisch zeigen sich Unternehmensberater und Wirtschaftsprüfer. Von ihnen erhoffen sich knapp 40 Prozent einen Zuschlag von 20 Prozent plus X.
Das wären gute Aussichten für Jungmanager Hogg. Nur schade, dass er sie mit so wenigen teilen kann. Über sein Gehalt spricht Hogg nämlich normalerweise nie. Außer mit seiner Frau.