Von Anne Spies und Klaus Werle
Die oberste Controllerin arbeitet im Container. Draußen dröhnen die Motoren landender Flugzeuge, Regen prasselt gegen die Wände, die Zentrale des Billigfliegers Germanwings am Flughafen Köln-Bonn versprüht robusten Start-up-Charme. So puristisch wie Container und Geschäftskonzept der Firma ist auch das Vergütungssystem. Monika Rese (43), die Chefcontrollerin, erhält 85.000 Euro pro Jahr, dazu einen Bonus von bis zu 30 Prozent. Keine betriebliche Altersvorsorge, keine Versicherungen, keine Freiflüge. Eine spürbare Gehaltserhöhung ist derzeit auch nicht drin.
Immerhin hat Rese noch ihren Job, was nicht wenig ist in diesem Herbst. Die Stimmung unter Deutschlands Arbeitnehmern ist bang. Entlassungen, Kurzarbeit, Kürzungen: So geht der Dreiklang des Krisensounds. Bis 2007 war ein jährliches Gehaltsplus von 5 bis 8 Prozent nicht unüblich; seither regiert der Rotstift. Die Firmen konzentrieren ihre Erhöhungen auf die absoluten Leistungsträger - aber selbst für die sind kräftige Steigerungen aktuell illusorisch. Deutschlands Lohnzettel dümpeln in der Flaute. Angst geht um: Kommen jetzt die mageren Jahre?
manager magazin wollte wissen, wie es wirklich aussieht an der Gehälterfront. Nicht nur in den Topetagen, sondern quer durch alle Branchen, Funktionen und Hierarchiestufen. In einer anonymen Online-Umfrage in Kooperation mit dem Business-Netzwerk Xing legten mehr als 91.000 Angestellte, Beamte und Freiberufler die Karten auf den Tisch, wobei der Fokus auf Fach- und Führungskräften lag. Damit liefert der große Gehaltsreport 2009 ein detailliertes und authentisches Bild der Vergütungsstrukturen der Republik: Er zeigt, was Deutschland wirklich verdient.
Einige Zahlen bestätigen alte Vorurteile: Frauen bekommen weniger als Männer, der Osten zahlt schlechter als der Westen. Andere Daten überraschen. So verdienen Frauen ausgerechnet in klassischen Männerdomänen wie IT oder Technik oft genauso gut wie ihre Kollegen. Oder: Im gleichen Job erhalten leitende Angestellte mit unterschiedlicher Ausbildung verschieden viel. So kommt ein Wirtschaftswissenschaftler im Vertrieb durchschnittlich auf 97.000 Euro, während sich ein Kommunikationswissenschaftler mit 75.000 Euro bescheiden muss.
Aus der riesigen Menge an Einzelergebnissen treten vier große Trends deutlich zutage, die das Vergütungsgefüge in Deutschland für Fach- und Führungskräfte prägen:
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