Von Dietmar Palan
Ekkehard Schulz (68) ist ein Mann von großem Beharrungsvermögen. Seit zwölf Jahren regiert er den Düsseldorfer Stahlkonzern ThyssenKrupp. Kaum ein anderer Chef eines Dax-Unternehmens ist länger im Amt als er, kaum ein zweiter Firmenlenker in der deutschen Konzernelite hat die Pensionsgrenze ähnlich weit hinausgeschoben. Und so hatte er es auch nicht eilig, als er Anfang September das Podium des Erbdrostenhofs in Münster betrat.
Auf ein paar Sekunden kam es jetzt nicht mehr an. Schließlich hatte Schulz volle sechs Jahre auf diesen Moment warten müssen: Soeben war der Stahlkonzern zum Sieger des diesjährigen manager-magazin-Wettbewerbs "Die besten Geschäftsberichte" ausgerufen worden, bei dem die gelungensten Jahresreports der rund 200 wichtigsten börsennotierten Firmen aus Deutschland und Europa prämiert werden.

Alle Details, Analysen und die vollständigen Ergebnistabellen zum mm-Wettbewerb "Die besten Geschäftsberichte" lesen Sie im manager magazin 10/2009 ab Seite 78.
Zum dritten Mal wurde der Ruhrkonzern ausgezeichnet, so oft wie kein anderes Unternehmen, seit manager magazin den Wettbewerb 1995 startete. Neben seiner überragenden sprachlichen und gestalterischen Qualität überzeugt der Report in erster Linie durch seine Klarheit und Offenheit im Umgang mit den Risiken des Geschäfts. Bis tief in die einzelnen Segmente hinein werden die potenziellen Gefahren für den Unternehmenserfolg ausgeleuchtet.
Vor allem aber schafften es die ThyssenKrupp-Leute, den Rekordgewinn des vergangenen Geschäftsjahres auszublenden und ihre Investoren auf die bevorstehenden Einbrüche einzustimmen. Eine vertrauensbildende Maßnahme, die sich ein paar Monate später auszahlen sollte. Obwohl die weltweite Rohstahlproduktion 2009 auf den tiefsten Stand seit den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts fiel und Schulz dem Konzern eine gewaltige Restrukturierung zumuten muss, hat sich der Kurs der ThyssenKrupp-Aktie seit Jahresbeginn sogar leicht besser entwickelt als der Dax.
In Sachen vorsorglicher Krisenkommunikation zählt der Stahlkonzern zu den absoluten Ausnahmen. "In den wenigsten Berichten spiegeln sich die möglichen Folgen der Krise wider, und die wenigsten Unternehmen erklären ihren Aktionären, mit welchen Maßnahmen sie aus der Misere wieder herauskommen wollen", analysiert Professor Jörg Baetge von der Universität Münster, der wissenschaftliche Leiter der Untersuchung. Ein Großteil der Firmen feierte sich in seinen Berichten noch für die üppigen Gewinne der ersten Jahreshälfte 2008, während Umsatz und Gewinn vielfach bereits im vierten Quartal wegbrachen.