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13.10.2009
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Familie Ritter

Ritter ohne Furcht

Von Wolfgang Hirn

5. Teil: Ein Flagship-Store in Berlins bester Lage

So preist zum Beispiel ein Hans-Jörg im braunen Polohemd die Nussschokolade mit dem Spruch: "Sie wollen noch mehr ganze Haselnüsse? Überfallen Sie ein Eichhörnchen." Warum gerade der Bahnhof als Ort des kollektiven Coming-out von Schokofans? Alzen sagt, dass er von der Sixt-Werbung an den Flughäfen inspiriert war. Außerdem seien Bahnhöfe der ideale Ort für normale Leute, eben Schokoladenesser wie du und ich.

Die Kampagne, die seit über zwei Jahren in einem Dutzend Großbahnhöfen läuft, erzielte eine hohe Aufmerksamkeit. Sie wirke - so Werber Alzen - viel nachhaltiger und auch effizienter als zum Beispiel eine teure Fernsehwerbung. Künstlerpech für Ritter: Die Agentur Santamaria begann sich Anfang dieses Jahres wegen interner Streitereien aufzulösen. "Das haben wir sehr bedauert", sagt Ritter-Marketingchef Herrmann, "denn die passten prima zu uns."

Im Frühjahr musste Ritter deshalb den Etat neu ausschreiben. Es gewann Kolle Rebbe, die Kreativagentur (Konsumartikelkunden unter anderen: Bionade und Warsteiner) in Hamburgs Hafencity. Seit dem 1. Juli hat sie den Etat. Sie will am Auftritt von Ritter nicht allzu viel ändern. Agentur-Mitinhaber Stefan Kolle (47) lobt: "Was Santamaria gemacht hat, war gut. Wir wollen nun die Kampagne optimieren."

Im Handel wie beim Konsumenten kommt die Werbebotschaft offenbar an. "Die Werbung für die Marke greift", sagt Rainer Engels, erfahrener Süßwareneinkäufer bei Edeka Rhein-Ruhr. Der mutige Kurs des furchtlosen Ritter scheint sich also auszuzahlen.

Zwar gingen nach der massiven Preiserhöhung fast lehrbuchmäßig erst einmal die Umsätze zurück. Doch Stück für Stück, Rippe für Rippe, Tafel für Tafel holte Ritter die Rückgänge wieder auf. Für 2008 konnte Ritter einen Umsatz von annähernd 300 Millionen Euro vermelden. Und viel wichtiger: Das Familienunternehmen schreibt wieder schwarz, auch wenn Ritter geheimniskrämerisch keine exakten Gewinnzahlen nennt.

Der freudige Zustand der Firma hat Ritter zu der jüngsten Idee aus dem idyllischen Waldenbuch ermuntert. Während andere an das Schließen von Läden denken, eröffnet das Unternehmen im Dezember zum ersten Mal einen gigantischen Flagship-Store. Mitten in Berlins bester Lage, in der Französischen Straße neben dem Luxuskaufhaus Galeries Lafayette, entsteht auf drei Etagen ein buntes Gemisch aus Café, Lounge, Shop und Schokoladenwerkstatt. Bei aller schwäbischen Bescheidenheit: A bissle Show muss sein.

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