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23.10.2009
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Dräger

Auf der Intensivstation

Von Ursula Schwarzer

5. Teil: "Kommunisten" als Feinde

Wie geht es nun weiter mit Dräger? Zumindest scheint der Vorstandschef erkannt zu haben, dass sein Betrieb zum Sanierungsfall verkommen ist. Nun soll ein Sparprogramm die Kosten senken - ein überfälliger Schritt. Die Lagerbestände sind zu hoch, die Durchlaufzeiten zu lang, der Einkauf ordert bei über 1000 Lieferanten, und die Logistik lahmt.

Besonders viel Geld wird in der Informationstechnik vergeudet; die IT-Aufwendungen von Dräger liegen - gemessen am Umsatz - rund 50 Prozent über dem Branchendurchschnitt. Eine Projektgruppe nahm sich vergangenes Jahr der Sache an und versuchte die unterschiedlichen IT-Systeme der Medizin- und Sicherheitstechnik zu vereinheitlichen. Nach ersten Erfolgen schoben die Spezialisten im März ihre Arbeit aber erst einmal auf, weil sich Dräger das 80 Millionen Euro teure Vorhaben - Codename Phoenix - derzeit nicht leisten will.

Ob es tatsächlich gelingt, die Kosten im Rahmen des Turnaround-Programms bis 2011 um 100 Millionen zu senken, ist fraglich. Zumal die Beschäftigten, die mit Einsparungen von über 30 Millionen Euro ihren Beitrag dazu leisten sollen, bislang kein Entgegenkommen zeigen. Die Reserviertheit der sonst durchaus kompromissbereiten Belegschaftsvertreter hat sich Stefan Dräger wohl selbst zuzuschreiben. Er unterließ es, die Arbeitnehmer in die Suche nach Sparpotenzialen einzubinden. Und als Dräger-Aufsichtsrat und IG-Metall-Sekretär Thomas Rickers (49) bei einer Belegschaftsversammlung behauptete, die Krise sei hausgemacht, beschimpfte ihn das Firmenoberhaupt als "Kommunisten". So schafft man sich Feinde.

Auch einige Holding-Aufsichtsräte stehen Stefan Dräger inzwischen kritisch gegenüber. Sie beklagen die mangelnde Performance und wundern sich über endlos lange Sitzungen ohne rechten Ertrag. Manchmal müssen sie bis zu 100 Powerpoint-Folien über sich ergehen lassen, die der nicht gerade redegewandte Vorstandschef präsentiert. Die fachliche Autorität Stefan Drägers gilt als nicht ausreichend. "Uns ist klar, dass die für Produktion und Finanzen zuständigen Manager kompetenter sind als ihr Chef", sagt ein Aufsichtsratsmitglied von der Kapitalseite. "Wenn Stefan Dräger vorträgt, schauen wir auf diese beiden, und wenn sie nicken, ist es okay."

Noch hat es Oberaufseher Nikolaus Schweickart (66), der früher den Altana-Konzern leitete, nicht zum Eklat kommen lassen. Vermutlich scheut er den Konflikt. Viel Rückhalt hat Stefan Dräger im Aufsichtsrat aber wohl nicht mehr. Obendrein scheint es wieder im Vorstand zu rumoren. Eingeweihte kolportieren, dass Ulrich Thibaut (49), der Forschung und Entwicklung verantwortet, seinen Posten räumen will.

Wohin man also auch schaut bei dem in 190 Ländern agierenden Konzern - es bilden sich überall dunkle Wolken. Kaum jemand glaubt mehr, dass das wichtige Infinity-Projekt seine hochgesteckten Ziele erreichen wird. Und auch in der Sicherheitstechnik häufen sich die Probleme. Zuletzt geriet dort die Entwicklung einer neuen Atemschutztechnik für Wartungs-U-Boote von Bohrinseln so teuer, dass sich damit kein Geld mehr verdienen lässt.

Frustrierte Mitarbeiter, stockende Innovation, miserable Zahlen - die Lage wird bedrohlich. Doch mit einer Konstanten kann man rechnen: Stefan Dräger. "Er wird an den Schalthebeln sitzen bleiben, bis es nicht mehr geht", befürchtet ein Aufseher. "Denn es gibt niemanden im Gesellschafterkreis, der ihn hinausdrängen könnte."

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