Von Ursula Schwarzer
Die Drägerwerke gehören zu den angesehensten Firmen im deutschen Mittelstand und ihre Produkte zum Besten, was deutsche Ingenieurkunst hervorbringt. Wer einen Arbeitsplatz bei Drägerwerk
in Lübeck ergattert hat, der ist stolz auf seinen Betrieb und auf die weltweit bekannte Marke.
Rund um den Globus statten Ärzte ihre Operationssäle mit den unübertroffen zuverlässigen Beatmungs- und Narkosegeräten made in Germany aus. In Amerika ist "Draegerman" sogar ein Synonym für die Grubenwehr, weil es einst die Atemschutzmasken von Dräger waren, die Rettungsaktionen überhaupt erst ermöglichten.
Wie das Unternehmen, so erfreut sich auch die Familie hohen Ansehens. Eine Dynastie in der fünften Generation, durch und durch seriös. Immer zeigen sich die Drägers mit Spenden großzügig, nie hat ein Skandal den Clan erschüttert. So weit der Ruf, den sich die Drägerwerke seit ihrer Gründung im Jahr 1889 erworben haben.
Doch Renommee und Realität stehen mittlerweile in krassem Gegensatz. Entsetzt blicken Mitarbeiter und Aktionäre auf das verhängnisvolle Wirken Stefan Drägers (46). Im Sommer 2005 wurde der Urgroßenkel des Firmengründers zum Vorstandsvorsitzenden gekürt, schon eineinhalb Jahre später brach der Gewinn ein.
Seither geht es rasant bergab. Für die ersten sechs Monate 2009 weist der Konzern nur noch einen kümmerlichen Überschuss von 1,6 Millionen Euro aus. Ein Abgleiten in die Verlustzone kann wohl nur dank Aufträgen im Zuge des weltweiten Kampfes gegen die Schweinegrippe gerade noch verhindert werden. Schwarze Zahlen seien "jetzt ziemlich sicher" so Firmenchef Dräger Ende September. Die für 2009 geplante Streichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld werde daher sogar zurückgenommen. Dennoch gab er für das Geschäftsjahr 2010 keine Entwarnung.
Es ist weniger die internationale Krise, die den Drägerwerken so zusetzt, schließlich ist die Kundschaft - siehe Beispiel Schweingerippe - zu großen Teilen im öffentlich-rechtlichen, eher konjunkturresistenten Umfeld angesiedelt. Die Probleme des Traditionshauses, das 2008 noch 1,9 Milliarden Euro erlöste und 10.900 Mitarbeiter beschäftigte, verantwortet hauptsächlich Stefan Dräger - ein technikverliebter Ingenieur, bar jeder unternehmerischen Fortune.
© manager magazin 9/2009
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