Von Dietmar Student
mm: Herr Magath, hoch verschuldet, kaum Geld für Investitionen, kein internationales Geschäft - in der Begriffswelt der Wirtschaft würde man Ihren Arbeitgeber Schalke 04 einen klassischen Sanierungsfall nennen. Sehen Sie sich dort als Krisenmanager?
Magath: Schalke ist kein Sanierungsfall, dort geht es um eine Restrukturierung. Man hat mich geholt, um Strukturen zu verändern. Schalke hat in den letzten Jahren zu wenig aus seiner Marke gemacht. Zweimal wurde die Meisterschaft knapp verfehlt. Dieser Weg ist jetzt zu Ende. Auch deshalb, weil er viel Geld gekostet hat und der Verein jetzt nicht mehr in der Lage ist, solche Beträge auch weiterhin aufzubringen.
mm: Was unterscheidet den Krisenjob in einem Sportverein von dem in der Wirtschaft?
Magath: Im Fußball lernt man schneller, mit Krisen umzugehen. Weil die Zyklen des Auf und Ab viel kürzer sind. Wenn man mal zwei Spiele hintereinander verloren hat, reden doch alle schon von Krise. Ich habe jedenfalls gelernt, mit der Krise zu leben. Für viele Manager in den Unternehmen, die bisher nur einen jahrelangen Aufschwung erlebt haben, ist diese Erfahrung neu.
mm: Was zeichnet einen Krisenmanager aus?
Magath: Ich war schon ein paar Mal in der Situation, dass ich zu Vereinen gekommen bin, denen es sportlich schlecht und finanziell noch schlechter ging. In einer solchen Lage ist schlichtweg Führung gefragt. Die muss man auch wollen. Sie müssen vorneweg marschieren. Der Verein ist meist völlig verunsichert und sucht Halt. Das ist in den Unternehmen in solchen Phasen auch nicht anders.
mm: Sie haben eine enorme Machtfülle, sind bei Schalke auch noch Manager und Vorstandsmitglied. Muss man Alleinherrscher sein, um erfolgreich führen zu können?
Magath: Das hängt davon ab, wie viel man korrigieren muss. Je komplexer die Aufgabe, umso mehr Macht braucht man. Sonst wird man weggeschwemmt.
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