17.09.2009
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Kommentar

Das Euro-Dilemma

Von Henrik Müller

2. Teil: Warum wir nicht amüsiert sein werden

Außenwirtschaftliche Defizite derzeitiger Größenordnungen waren früher unbekannt. Möglich wurden sie erst durch die Öffnung der Kapital- und der Gütermärkte in den 90er Jahren und den Übergang zur Währungsunion. Ein deutscher Anleger, der sein Geld in Spanien investiert, muss seither keine Abwertung der Peseta mehr befürchten.

  Henrik Müller,  stellvertretender Chefredakteur bei manager magazin, schreibt über wirtschaftspolitische Themen

Henrik Müller, stellvertretender Chefredakteur bei manager magazin, schreibt über wirtschaftspolitische Themen

Denn das wäre die normale Reaktion: Die Währung einer Volkswirtschaft mit außenwirtschaftlichem Defizit wertet ab, wodurch die Wettbewerbsfähigkeit wiederhergestellt wird. In der Währungsunion ist diese marktmäßige Anpassung versperrt.

Die Einheitswährung hat viele Vorteile, deshalb wurde der Euro ja geschaffen. Was aber fehlt, ist ein Mechanismus, um das Euro-Land zurück in die Balance zu bringen. Weil Wechselkursanpassungen nicht mehr möglich sind, sind deutsche Güter nach Berechnungen der EU-Kommission inzwischen um mehr als 10 Prozent unterbewertet, spanische und griechische hingegen sind um mehr als 12 Prozent überbewertet. Warum? Weil die Produktionskosten in den Südländern schneller gestiegen sind als in Deutschland.

Und jetzt? Wie kommen wir aus diesem Dilemma heraus?

Prinzipiell gibt es vier Lösungen:

Lösung A - ein Ausstieg schwächerer Länder aus dem Euro - hätte unabsehbare politische, ökonomische und soziale Folgen.

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Lösung B - hohe staatliche Transfers an Spanien und Co. - werden die Bürger in den Zahlerländern, zuvörderst in Deutschland, angesichts leerer Kassen kaum akzeptieren.

Lösung C - Reformen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit - lindert die Ungleichgewichte allenfalls langfristig.

In dieser vertrackten Lage dürfte Lösung D - mehr Inflation - den geringsten politischen Gegendruck erzeugen. Denn das ist ja die Herausforderung für die Defizitländer: Preise, Löhne und sonstige Kosten dort müssen künftig langsamer steigen als in Deutschland oder den Niederlanden. Nur so können sie allmählich wieder wettbewerbsfähig werden.

Jedoch: Bei 2 Prozent Inflation im Durchschnitt aller Euro-Staaten, bislang das Ziel der Europäischen Zentralbank, ist eine Gesundung durch Lohn- und Preiszurückhaltung kaum möglich. Bei 5 oder 10 Prozent Inflation hingegen fiele es ihnen viel leichter, die Ungleichgewichte abzubauen. Natürlich werden Deutsche, Niederländer und andere über derlei Ansinnen nicht amüsiert sein. Aber ich fürchte, ihr Widerstand wird sich - angesichts der nicht minder grimmen Alternativen - in Grenzen halten.

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