Dienstag, 7. Februar 2012, 06:06 Uhr

manager magazin



17.09.2009
 

Kommentar

Das Euro-Dilemma

Von Henrik Müller

Crash, Clash oder Inflation: Europas innere Spannungen steigen. Während Deutschland, die Niederlande und einige andere Euroland-Staaten ihre Überschüsse im Außenhandel immer weiter ausbauen, rutschen Spanien, Griechenland, Portugal und Italien immer weiter ins Minus. Wie kommen wir aus diesem Dilemma heraus?

Amerika ist schuld - diese Überzeugung gehört inzwischen zur ökonomischen Folklore diesseits des Atlantiks. Es ist die populäre Erklärung, warum es zur Krise kommen konnte.

Euro unter Druck: Europas innere Spannungen steigen
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REUTERS

Euro unter Druck: Europas innere Spannungen steigen

Sie geht etwa so: Die gigantischen Defizite der USA, die immer weiter steigende Auslandsverschuldung, der kreditfinanzierte Konsumboom, die immer weiter steigenden Immobilienpreise - all das habe einen höchst ungesunden Boom befeuert und "globale Ungleichgewichte" verursacht, die sich derzeit in einem sehr hässlichen Crash entlüden.

Das stimmt, einerseits. Andererseits greift diese Argumentation zu kurz. Denn auch in Europa gibt es gefährliche "Ungleichgewichte". Nur finden sie bislang kaum Beachtung. Dabei sind sie sogar noch gravierender als die globalen.

Die möglichen Folgen? Hohe Inflationsraten, Zerfall des Euro-Lands, politische und soziale Destabilisierung.

Aber eines nach dem anderen.

Seit Beginn der Währungsunion 1999 driften die Euro-Staaten ökonomisch auseinander. Während Deutschland, die Niederlande und einige andere Staaten ihre Überschüsse im Außenhandel immer weiter vergrößern, rutschen Spanien, Griechenland, Portugal und Italien immer weiter ins Minus.

Aus der Balance: Kumulierte Leistungsbilanzsalden ausgewählter Euro-Staaten
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Aus der Balance: Kumulierte Leistungsbilanzsalden ausgewählter Euro-Staaten

Die erste Gruppe von Ländern steigert ihre Wettbewerbsfähigkeit kontinuierlich und exportiert, was die Kapazitäten hergeben - die zweite Gruppe verliert immer weiter an Wettbewerbsfähigkeit und verschuldet sich immer höher im Ausland. Die Ungleichgewichte haben dramatische Größenordnungen erreicht: Griechenland, Spanien und Portugal verzeichnen Leistungsbilanzdefizite von 10 Prozent und mehr des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Zum Vergleich: Das US-Defizit erreichte in der Spitze einen Wert von 6 Prozent des BIP.

Wie die europäischen Problemstaaten ihre Schulden zurückzahlen wollen, wie sie jemals ihre Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen können, ist völlig unklar. Entsprechend nervös reagieren die Finanzmärkte. Schon wurde in den vergangenen Monaten die Zahlungsfähigkeit einiger Euro-Staaten in Zweifel gezogen. Und die Gefahr ist keineswegs gebannt. Wie konnte es so weit kommen?

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