10.09.2009
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Kolumne

Warum wir gebraucht werden

Von Hermann Simon

2. Teil: Unverzichtbarkeit sichert Überleben und Erfolg

Und genau das Gleiche gilt für Tausende weitere deutsche Unternehmen. Ohne Hauni-Zigarettenmaschinen (Weltmarktanteil: rund 90 Prozent) würde weltweit bei Rauchern ein Entziehungsnotstand ausbrechen. Wenn sich die Fischfilettieranlagen von Baader (Weltmarktanteil: 80 Prozent) in nichts auflösten, würde Fisch im Supermarkt knapp. Wenn Delo-Klebstoffe entfielen, müsste die Produktion von Smartcards eingestellt werden.

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Gäbe es keine deutsche Messtechnik mehr, so müssten Betriebe unterschiedlichster Branchen überall in der Welt sofort zumachen. Diese Liste ließe sich nahezu endlos fortsetzen. Deutsche Produkte sind für die Weltwirtschaft vielfach unverzichtbar und zumindest auf mittlere Sicht auch unersetzlich.

Aus historischer Perspektive könnte man sogar behaupten, dass die deutsche Wirtschaft heute besser dasteht als vor Jahrzehnten. Betrachtet man nämlich die Branchen, in denen Deutschland früher stark war, aber heute keine Rolle mehr spielt, dann waren das Produkte, die verzichtbar waren - genau wie die Toyotas. Dazu gehören Motorräder, deren größte Fabrik noch 1957 in Neckarsulm stand, Uhren, deren weltgrößter Hersteller Junghans war, Fernseher (Grundig) oder die berühmten deutschen Kameras, die bis in die 60er Jahre die Weltmärkte dominierten.

Heute haben wir vermutlich mehr "Unverzichtbare" als zur damaligen Zeit und unterscheiden uns damit fundamental von China, Japan und anderen Exportnationen. Die Amerikaner sind uns diesbezüglich ähnlicher. Man stelle sich nur einmal vor, es gäbe ab morgen keine Microsoft-Programme mehr. Oder die amerikanischen Pharmafirmen würden die Produktion einstellen.

Die Unverzichtbarkeit wird allerdings die kurzfristigen Probleme der deutschen Exporteure nicht lösen. Denn viele Produkte made in Germany gehören zu den sogenannten Postponables, das sind Produkte wie Maschinen, Instrumente oder langlebige Konsumgüter, deren Kauf man aufschieben kann. Aus der Unverzichtbarkeit folgt jedoch, dass man sich um die langfristigen Perspektiven deutscher Produkte keine allzu großen Sorgen machen muss.

Das heißt: Jedes Unternehmen muss höllisch aufpassen, die momentane gefährliche Schwächephase zu überleben. Gelingt das, scheint das langfristige Bestehen im Wettbewerb fast gesichert.

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