Von Hermann Simon
Die Lage an den Exportmärkten ist weltweit desolat. Im Juli lagen die deutschen Ausfuhren um 18,7 Prozent unter denen des Vorjahresmonat, für das erste Halbjahr beträgt das Minus über 20 Prozent. Auch wenn sich der Einbruch im Vergleich zum Juni (minus 22,9 Prozent) etwas abgeschwächt hat, warnt der Außenhandelsverband BGA vor verfrühter Euphorie.
Noch dramatischer sehen die Zahlen für den deutschen Maschinenbau aus. Der Auftragseingang im Mai zum Beispiel lag 48 Prozent unter dem des Vorjahres. Doch selbst wenn man den Vorjahreswert und die Jahre 2006 bis 2008 als Ausreißer nach oben interpretiert, ergibt sich ein erschreckendes Bild. Im Mai 2009 zum Beispiel lagen wir 33,9 Prozent unter dem Auftragseingang des Jahres 2005.
Kann man bei dieser Ausgangslage für die Zukunft deutscher Produkte noch optimistisch sein?
Vor einigen Wochen entspann sich beim Mittagessen mit dem Vorstand eines der führenden deutschen Maschinenbauunternehmen eine erhellende und hoffnungsvoll machende Diskussion. Jemand fragte, was der Unterschied zwischen den deutschen und den japanischen Exporten sei.
Als Prototyp für ein erfolgreiches japanisches Unternehmen nahmen wir Toyota, als idealtypisch für ein deutsches Unternehmen im internationalen Wettbewerb den betreffenden Maschinenbauer, der hier nicht genannt werden möchte. Zwar liegt Toyotas Jahresumsatz mit knapp 150 Milliarden Euro um den Faktor 75 über dem Zwei-Milliarden-Umsatz des deutschen Mittelständlers, dennoch sind beide Firmen in gewisser Weise repräsentativ für die internationalen Profile der japanischen und der deutschen Exportwirtschaft.
Was wäre, fragte nun einer der Teilnehmer, wenn es ab heute keine Toyotas mehr gäbe? In der Antwort waren sich die Beteiligten schnell einig: Kein großes Problem, alle würden dennoch Auto fahren, aber eben andere Marken.
Dabei wurde von allen anerkannt, dass Toyota Topqualität produziere, mit höchster Effizienz und Professionalität arbeite; ein herausragendes Unternehmen, aber eben nicht unverzichtbar. Angesichts der weltweiten Produktionskapazität von 90 Millionen Autos bei einer Nachfrage von nur 45 Millionen Stück im Jahr 2009 sah auch niemand ernsthafte Lieferengpässe.
Fundamental anders fiel das Urteil bei dem deutschen Mittelständler aus. Dazu sei vorausgeschickt, dass dieses Unternehmen Weltmarktführer mit einem globalen Marktanteil von rund 50 Prozent ist und als der Innovator in seinem Markt gilt. Was wäre, wenn sich alle Maschinen dieses Unternehmens mit einem Schlag in nichts auflösten? Die Antwort war unstrittig: Die Weltwirtschaft käme zum Stillstand - und zwar für längere Zeit. Die Maschinen und die Technologie dieses Unternehmens sind unverzichtbar.
© manager magazin 8/2009
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