Mittwoch, 8. Februar 2012, 16:41 Uhr

manager magazin



21.09.2009
 

Hubert Burda zur Medienkrise

"Das ist die Killerapplikation"

Von Klaus Boldt

Stirbt die freie Presse? manager magazin im Gespräch mit dem Münchener Verleger Hubert Burda über eine Branche zwischen Werbekrise, Internetboom und Missmanagement.

mm: Herr Burda, in der Medienbranche herrscht Katastrophenalarm. Die Anzeigenkundschaft spart, als hätte sie ihren Glauben an die Werbung verloren, gleichzeitig bedrohen die kostenlosen Informationsangebote im Internet die Geschäftsgrundlage vieler Verlage. Weltweit kämpfen Medienhäuser ums Überleben.

  Hubert Burda  (69) ist einer der wichtigsten Vertreter und Förderer des Online-Geschäfts in Deutschland. Der promovierte Kunsthistoriker und frühere Journalist ist Präsident des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger und Mitglied der "Hall of Fame" der deutschen Wirtschaft. Im Burda-Verlag erscheinen unter anderem "Focus", "Bunte" und "Elle". Der Umsatz 2008 betrug 1,75 Milliarden Euro, davon entfielen 340 Millionen Euro auf das Digitalgeschäft.
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Hubert Burda (69) ist einer der wichtigsten Vertreter und Förderer des Online-Geschäfts in Deutschland. Der promovierte Kunsthistoriker und frühere Journalist ist Präsident des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger und Mitglied der "Hall of Fame" der deutschen Wirtschaft. Im Burda-Verlag erscheinen unter anderem "Focus", "Bunte" und "Elle". Der Umsatz 2008 betrug 1,75 Milliarden Euro, davon entfielen 340 Millionen Euro auf das Digitalgeschäft.

Burda: Das sehen Sie vollkommen richtig. Die Medienbranche steht vor einem großen Umbruch, vergleichbar mit dem Jahr 1500. Also jener Schwellenzeit, in der Gutenberg mit dem Buchdruck das Kopieren per Hand ablöste. Wir haben das sehr früh kommen sehen. "Focus" war weltweit die erste Zeitschrift, die vom Computer direkt auf den Druckzylinder ging, und von dort war es nicht mehr weit zu Focus Online. Dennoch wird mir vieles in der aktuellen Debatte allzu pessimistisch gesehen.

mm: Den Strategen schwant, dass die angenehmen Zeiten mit ihren saftigen Margen auf immerdar vorbei sind.

Burda: Das Geschäftsmodell der Verlage ist gut und gesund, wenn es richtig gemanagt wird. Bei uns ist das Kerngeschäft solide. Der weitgehend stabile Vertriebsmarkt beweist, dass die Menschen weiterhin Zeitschriften lesen und bereit sind, für journalistische Inhalte Geld zu bezahlen. Anzeigenrückgänge konnten wir durch ein Effizienzprogramm kompensieren. Gleichzeitig haben wir im Rahmen eines Change-Programms eine Reihe von Innovationsprojekten für Verlage angeschoben. Unter anderem entstand mit der Style Group durch die Zusammenlegung zweier Verlage das größte deutsche Premium-Netzwerk für Frauen, darunter "Bunte", "Instyle" und "Elle". Grundsätzlich ist es unsere Strategie, auf dem nationalen Markt Print und Online zu konvergenten Marktplätzen zu verknüpfen.

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mm: Was bedeutet Marktplatz und wie kommt Burda dabei über die Runden?

Burda: Wir vernetzen zum Beispiel die Zeitschrift "Chip" mit den Online-Versandhäusern Cyberport und Computer Universe. Ähnliche Marktplätze entwickeln wir für die Bereiche Food sowie Haus, Garten und Living. Im Inland konsolidieren, im Ausland expandieren wir. Druck und Direct-Marketing arbeiten rentabel, und die digitalen Beteiligungen sind sehr profitabel. Mit dem Einstieg bei Glam Media sind wir am weltweit größten Online-Mediennetzwerk für Frauen beteiligt. Es ist auch in Deutschland erfolgreich gestartet und entwickelt Werbe- und Content-Formate.

mm: Sie sind einer der Pioniere der internationalen Internetszene, Ihr Verlag ist das Leitmedium vieler Orientierungsloser in der Medienzunft. Doch nun sprechen selbst Sie resignierend davon, dass man im Netz nur "lausige Pfennige" verdiene.

Burda: Moment, diese lausigen Pfennige bezogen sich auf die Display-Werbung. Damit können tatsächlich nur Medien mit kritischer Reichweite große Redaktionen refinanzieren.

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