In der aktuellen Krise läuft es für DB Regio zwar besser; weil Privatbahnen keine Bankkredite für neue Züge bekommen, setzt das immer noch kreditwürdige Staatsunternehmen sich vermehrt bei Neuvergaben durch. Auf Dauer aber wird der Effekt nicht anhalten. Grube muss die Wettbewerbsfähigkeit des Bereichs massiv verbessern.
Im Fernverkehr, dem Imageträger der DB, hat Grube einen Investitionsstau geerbt. Die alten Intercity- und Eurocity-Züge sind längst verschlissen. Die Neuanschaffung wird Milliarden verschlingen und das Spartenergebnis erheblich belasten. Zudem hat sich der Bereich an regelmäßige Preiserhöhungen gewöhnt, eine Praxis, die sich in den nächsten Jahren kaum mehr so forsch fortsetzen lässt.
Um geschmeidig durch die schwierigen Jahre zu kommen, bräuchte Grube einen ausgebufften Finanzmann. So einen wie den seit 1991 amtierenden Bahn-Finanzvorstand Diethelm Sack (61). Niemand im Konzern besitzt mehr Herrschaftswissen als er. Wie relevant seine Rolle ist, spiegelt auch die aktuelle Mittelfristplanung wider. Eines der bedeutendsten Spartenergebnisse liefert hier der nebulöse Bereich "Sonstige DB", dem 2009 ein Defizit von 506 Millionen vorausgesagt wird. Welchem Geschäftsbereich diese Verluste wirklich zuzuordnen sind, bleibt undurchsichtig.
Dank "Sacks Verschiebebahnhof", wie Kenner den Posten "Sonstige DB" nennen, hat es der Finanzchef in der Hand, die einzelnen Geschäftsfelder mal besser und mal schlechter aussehen zu lassen, als sie wohl in Wahrheit sind.
Der Zahlenkönig indes trägt sich mit Gedanken an den Ruhestand. Grube konnte ihn zwar zunächst zum Weitermachen überreden. Doch im kommenden Frühjahr wird Sack wohl trotzdem gehen und für Richard Lutz Platz machen, bisher Leiter der Abteilung Controlling bei der Bahn.
Rüdiger Grube wird Stehvermögen brauchen in seinem neuen Job. Der Zauberkoffer, in den Konzernherren üblicherweise greifen, bleibt ihm dabei verschlossen. Grube kann weder auf Rekordzahlen bauen noch auf spektakuläre Deals. Visionäre Schwenks hat er sich bislang selbst verboten. Dabei möchte er durchaus längere Zeit im Amt bleiben. Der ungewohnte Platz in der ersten Reihe - bei Daimler wirkte Grube meist im Hintergrund - macht ihm erkennbar Spaß. Obendrein gibt es pekuniäre Gesichtspunkte. Seine Altersversorgung bei Daimler büßte er durch den Wechsel weitgehend ein - die volle Mitnahme gab sein Stuttgarter Vertrag nicht her.