Von Dietmar Student
Eikelmann ist heilfroh, dass sich die Trennungsschmerzen in Grenzen hielten. Seit dem Frühjahr ist die Auftragslage stabil, nur eine Handvoll Partner hat die Firma verlassen, gerechnet hatte man mit dem Doppelten. Sicher müsse man noch daran arbeiten, die neue Marke ("Booz & Company") bei den verschiedenen Zielgruppen "weiter zu stärken", sagt er - schließlich gibt es immer noch Leute, die dem Allen und dem Hamilton nachtrauern.
Die Umfirmierung kommt in einem unglücklichen Moment. Erfordern doch Kunden und Konkurrenten die volle Konzentration. "Der Wettbewerb ist knallhart geworden", klagt Eikelmann. Kampfpreise, Rabatte, Verunglimpfen der Rivalen - die Sitten verrohen in dem gemeinhin so feinnervigen Gewerbe. Selten spielt ein Zwist vor so großem Publikum wie im Fall der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). Das marode Schienenunternehmen hatte die Firma Roland Berger mit der Sanierung beauftragt. Kosten: 900.000 Euro. Berger hatte sich gegen zehn Konkurrenten durchgesetzt, auch gegen den ÖBB-Stammberater McKinsey, der 1,3 Millionen Euro für die Arbeit taxiert hatte.
Dann, so zeichnete jedenfalls das renommierte Wiener Blatt "Die Presse" den Casus nach, habe der ÖBB-Aufsichtsratschef interveniert und sich für McKinsey eingesetzt. Ob aus eigenem Antrieb und tiefster Überzeugung, lässt sich so klar nicht festmachen. Erst wurde die Ausschreibung wegen eines vermeintlichen Formfehlers wiederholt, dann ließ der Oberkontrolleur das Thema von der Tagesordnung nehmen, schließlich rückte er die Kooperation Bergers mit einem österreichischen Beratungsunternehmen in die Nähe politischer Vetternwirtschaft - es half nur alles nichts. Jetzt wackelt sogar der Stuhl des ÖBB-Oberkontrolleurs.
In der Regel vollzieht sich ein Bieterstreit subtiler, aber manchmal umso schmutziger. So setzte sich im Ringen um ein industrielles Prestigeprojekt wiederum Roland Berger durch; der Hauptanteilseigner wollte es jedenfalls so. Ein unterlegener Wettbewerber ließ aber nicht locker, alarmierte andere Großaktionäre, schrieb Briefe, in denen der zuständige Partner am Konkurrenten kein gutes Haar ließ - nun will Berger das Thema mit dem Chef des Widersachers besprechen, so unter Kollegen.
Die Beispiele zeigen: Viele Berater stehen unter gewaltigem Druck. Auch weil sie ahnen, dass ihr Gewinnanteil in diesem Jahr geringer ausfallen wird. Mit aller Macht wollen sie ihre Großkunden bei Laune halten. Zur Not arbeiten sie eine Zeit lang kostenlos, Hauptsache: drin- und dranbleiben.
Wer in dieser schweren Zeit gut im Geschäft ist, kann sich auch für die Zukunft Vorteile verschaffen. Weil sich der Vorstand oft selbst um die von ihm in Auftrag gegebenen Sanierungsprojekte kümmert, entstehen besonders enge Beziehungen zwischen Berater und Kunde. "Die gemeinsame Erfahrung in kritischen Situationen schweißt zusammen", sagt BCG-Deutschland-Chef Christian Veith (49). Die Solidarität hat längst auch auf die Sitzreihen übergegriffen: Weil viele Klienten aus Kostengründen nur noch Economy fliegen dürfen, trauen sich auch die Consultants nicht mehr in die Business Class.