Von Hermann Simon
Was ist Shareholder-Value? Ganz einfach: langfristige Gewinnmaximierung und Steigerung des Unternehmenswertes. Und in der Betriebswirtschaftslehre gibt es keine ernsthaften Zweifel daran, dass dies die einzige sinnvolle Zielfunktion für die Führung eines Unternehmens ist. "Gewinne sind die Kosten des Überlebens", bringt es Peter Drucker auf den Punkt. Gewinne sind nicht "nice to have", sondern conditiones sine quibus non für das zukünftige Überleben eines Unternehmens. Die Aufgabe des Managements besteht darin, sich zwischen Umsatz und Kosten zu stellen und dafür zu sorgen, dass die beiden Abstand voneinander halten.
Und eines sollte genauso klar sein: Shareholder-Value kann niemals heißen, den Gewinn oder den Börsenkurs kurzfristig mit Maßnahmen hochzutreiben, die dem Unternehmen langfristig schaden. Genau das ist aber von vielen Managern praktiziert worden: F&E-Ausgaben kürzen, Mitarbeiter rauswerfen, zumachen statt sanieren.
Eine weitere Klarstellung: Die in den vergangenen Jahren praktizierten Aktienoptionen passen nicht zum Shareholder-Value-Konzept. Optionen sind ein Spiel, das für den Berechtigten nur eine Upside, aber keine Downside hat. Sie verleiten zu riskanten Manövern. Ganz anders ist die Interessenlage des Aktionärs, er hat auch eine Downside. Deshalb besteht das einzig saubere System darin, die Manager zum Kauf der Aktien des eigenen Unternehmens zu verpflichten, so wie es Siemens seit Kurzem tut. Zudem muss im Sinne der Nachhaltigkeit für eine ausreichend lange Haltedauer gesorgt werden.
Als Alternative zum Shareholder-Value wird oft das Stakeholder-Value-Konzept, bei dem auch die Interessen der Mitarbeiter, der Banken, der Kunden, der Lieferanten und des Staates angemessen berücksichtigt werden, empfohlen. Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber Stakeholder-Value lässt sich nicht in sinnvolle, messbare Größen für die Unternehmensleitung umsetzen. Und ich behaupte an dieser Stelle, dass Shareholder-Value auch für die Stakeholder langfristig zum Optimum oder zumindest zu befriedigenden Ergebnissen führt.
Ich kenne kein Unternehmen, das dauerhaft profitabel wirtschaftet und in dem es den Mitarbeitern schlecht geht. Das Gleiche gilt für die Banken, die Kunden, sogar die Lieferanten und nicht zuletzt den Staat. Umgekehrt sind mir viele Unternehmen bekannt, die keine Gewinne machen und in denen es den Mitarbeitern und allen anderen Stakeholdern miserabel geht. Langfristig nachhaltiger Wert wird nur geschaffen, wenn die Unternehmensführung es schafft, die Interessen der Stakeholder einigermaßen auszugleichen und alle bei der Stange zu halten.
Angesichts der politischen Aufladung sollte man derzeit in der öffentlichen Diskussion den Begriff Shareholder-Value vielleicht nicht zu stark in den Vordergrund stellen. An der Sache hingegen gibt es nichts zu rütteln.