Von Dietmar Palan
Schon jetzt steht fest, dass die Krise die Gehaltsmodalitäten gravierend ändern wird: Viele Manager dürften künftig erst mit Verspätung an ihre Boni kommen, und sie müssen damit rechnen, dass sie wieder einkassiert werden können, wenn die Gewinne sich später in Verluste verwandeln.
Bereits heute verlangen Konzerne wie Siemens, dass Topmanager ihr Gehalt teilweise in Aktien ihres Arbeitgebers investieren und langfristig halten müssen. Gemessen an den Bezügen des vergangenen Geschäftsjahres, wird etwa Siemens-Chef Löscher Papiere im Wert von sechs Millionen Euro kaufen müssen.
Und in der deutschen Finanzindustrie wird derzeit ein Modell diskutiert, das der Schweizer Finanzgigant UBS Ende 2008 einführte. Der Konzern wird die Boni seiner Topleute künftig nicht mehr komplett auszahlen, sondern einen Teil der Erfolgsvergütung auf ein Sperrkonto überweisen. Sollten sich die Resultate später verschlechtern, werden Teile des Bonus wieder zurückgefordert.
Viele Unternehmen haben gelernt, dass es falsch war, ihre Vergütungsmodelle fast ausschließlich auf die Belohnung kurzfristiger Erfolge auszurichten, während die Risiken weitgehend ausgeblendet wurden. Das gilt keineswegs nur für den Bankensektor, sondern auch für Industrie-Ikonen wie den aktuell um seine Eigenständigkeit ringeneden Sportwagenhersteller Porsche
.
Seit Wendelin Wiedeking (56) das Steuer in Stuttgart-Zuffenhausen übernahm, stehen ihm 0,9 Prozent des Gewinns als Erfolgsbeteiligung zu. Ein Arrangement, das lange zur beiderseitigen Zufriedenheit verlief. Die Tücken zeigten sich erst, als der Porsche-Chef den ungleich größeren VW-Konzern attackierte. Der daraufhin einsetzende Höhenflug der VW-Aktie ließ auch die Gewinne bei Porsche explodieren. 8,6 Milliarden Euro waren es allein im vergangenen Geschäftsjahr - der Großteil davon reine Buchgewinne. Sie stammen aus den gestiegenen Werten der Terminmarktkontrakte, die Wiedeking die Macht in Wolfsburg sichern sollten.
Inzwischen ist klar, dass Porsche sich die Übernahme nicht mehr leisten kann, stattdessen droht die Eingliederung ins VW-Reich.
Wiedeking muss für sein Scheitern bislang zumindest finanziell nicht zahlen. Für ihn waren die Buchgewinne - falls Aktionärsklagen gegen das Gehaltspaket scheitern - bares Geld. Auf rund 150 Millionen Euro dürfte sich sein Gehalt in den vergangenen beiden Jahren insgesamt belaufen haben - eine mögliche Abfindung in wohl mindestens zweistelliger Millionenhöhe noch nicht eingerechnet.