Von Dietmar Palan
Es war eine großflächige Imagepolitur, zu der Wolfgang Klein (45) Mitte März ansetzte. Via "Bild"-Zeitung verkündete der damalige Postbank-Chef, dass er bis zum Ende des Jahres für ein Gehalt von einem Euro zu arbeiten gedenke. Selbstverordneter Lohnverzicht und medialer Kotau dienten vor allem dazu, den Aufruhr um die Gehaltspakete des Postbank-Vorstandes zu beenden.
Rund 12 Millionen Euro Sonderbonus hatte die zehnköpfige Führungsspitze trotz eines Verlustes von 821 Millionen Euro 2008 kassiert. Allein 2,4 Millionen Euro davon waren für Klein reserviert.
Die Begründung, die der Aufsichtsrat nachlieferte, machte die Sache nicht besser. Das Geld sei als Belohnung gedacht, weil Klein und Kollegen während des Teilverkaufs der Postbank
Die Ruhe, die sich der mittlerweile zurückgetretene Klein erkauft hatte, bezahlte er mit reichlich internem Ärger. Die Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat nutzte die Gelegenheit, um bei Frank Appel, Oberaufseher und Chef des Mutterkonzerns Post, auf eine grundlegende Umgestaltung der Bezüge zu drängen. Und bei den übrigen Vorständen ging die Bereitschaft, sich als Ein-Euro-Kraft zu verdingen, gegen null. Weil Klein seinen Verzicht angekündigt hatte, ohne sich vorher mit seinen Kollegen abzusprechen, fühlte sich ein Teil der Führungsriege regelrecht düpiert.
Was den einstigen Postbank-Chef, der auch nach seinem Abgang Ende Juni zu seiner Zusage steht, zu seinem Alleingang verleitete, ist leicht nachvollziehbar: Der Ex-McKinsey-Berater will sich partout nicht unter die Finanzakrobaten einreihen lassen, die trotz immenser Verluste horrende Boni kassierten. Es geht um den Generalverdacht, mit dem sich inzwischen auch Spitzenmanager außerhalb der Finanzindustrie konfrontiert sehen - dass die Jagd nach immer höheren Gehältern die Krise mit ausgelöst hat.
Zum einen, weil sie dazu führte, dass eine ganze Reihe von Konzernlenkern unverhältnismäßig hohe Risiken in Kauf nahm. Zum anderen, weil die Sanktionsmechanismen fehlten, um Boni und Tantiemen zurückzufordern, die auf der Basis von Gewinnen ausbezahlt wurden, die sich kurz darauf in Verluste verwandelten.
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