Von Klaus Boldt
Williams, zuvor bei Sky Italia, hatte bei Premiere zunächst ein bisschen mit den Leuten exerziert, und als die müde wurden, damit begonnen, die Reihen zu lichten wie der Räumdienst: Den Vorständen Alexander Teschner (38, Finanzen) und Hans Seger (52, Programm) legte er das Handwerk, dann wischte er wie mit dem Lappen durch die zweite Führungsebene: Kritiker wurden gefeuert, degradiert oder mundtot gemacht, verdienten Leuten Anfänger vor die Nase gesetzt.
In nahezu allen Schlüsselstellen postierte er Gefolgsleute aus England, vor allem aber aus Italien, von denen kaum einer Deutsch versteht, geschweige denn spricht: Weisungen würden in einem Italiener-Englisch geradebrecht, sagt einer, "dass du denkst, der will dir zwei Kugeln Stracciatella verkaufen".
Neuer Finanzvorstand wurde ein Planer von Sky Italia namens Pietro Maranzana (36): Unerfahren und ohne Rückhalt bei unteren Diensträngen verkörpert er die Herabstufung des Senders zu einer Geschäftsstelle mit Filialcharakter. Das Programmgeschäft, das wohl ohne Vorstandsvertretung bleibt, steht unter der Obhut der aus London hereingeschneiten Nicola Bamford (43), einer stets forsch auftretenden Lady, die eigenem Bekunden nach lieber in Indien arbeiten würde, wo der Hegemon Murdoch einige Angriffe eingeleitet hat.
Unter den Kollegen konnten Bamfords bisherige Darbietungen nur wenig Begeisterung entfachen. Es gelang ihr weder, den Discovery Channel exklusiv an Premiere zu binden, noch Disney dazu zu bewegen, die Lieferpreise (rund 20 Millionen Euro im Jahr) zu senken.
Im Marketing führt neuerdings ein Marcello Maggioni (39) das Regiment, im Kundenmanagement Emanuele Tonini (40) und sein Vorgesetzter Giovanni Brunelli (46). Namentlich Brunelli pflegt gegenüber Mitarbeitern einen wenig herzlichen Umgangston: "You are here for business not for bullshitting."
Ihren Mangel an Führungserfahrung verbinden die Zugänge mit zackigen Statusansprüchen. Während Boston-Consulting-Leute das Haus noch nach weiteren Sparmöglichkeiten durchkämmen, kassierten die Neuen allein zwischen November und Januar im Schnitt 105.125 Euro pro Kopf an Gehalt, Mietzuschüssen und Boni. Dass Williams dem erfolglosen Ex-Vorstandschef Börnicke obendrein einen bis Ende 2009 gültigen Beratervertrag zugeschanzt hat, der ihm ein Tageshonorar von 4000 Euro, mindestens aber 160.000 Euro garantiert, trägt zum allgemeinen Missmut bei.
So absonderlich wie seine Personalrochaden wirkt auf Mitarbeiter die Strategie des Vorstandschefs. So haben ihm die Berater von Roland Berger weisgemacht, dass Premiere ausgerechnet in Ostdeutschland wachsen könne; die Italiener ihrerseits glauben, dass (wie in Italien) der Service verbessert gehöre. Die auf der Hauptversammlung am Donnerstag beschlossene Namensänderung in Sky Deutschland löste bei Fachleuten schon im Vorfeld Kopfschütteln aus: Sie verwirre die Kundschaft, erfordere einen quälend hohen Marketingaufwand und koste die Aktionäre ein Vermögen.
Die Marke "Premiere" steht mit einem Wert von 331,6 Millionen Euro in den Büchern. Die im zweiten Quartal fällige Abschreibung von 256,1 Millionen Euro belastet die instabile Unternehmensbilanz aufs Unangenehmste. Weitere 40 Millionen Euro, glauben Marketingexperten, verschlinge die werbliche Bekanntmachung des Namenswechsels und seiner Folgen: Denn auch die Kanäle Premiere 1, 2, 3 und so weiter verschwinden, statt ihrer werden neue eingeführt: Sky Cinema, Sky Action, Sky Cinema plus 1, Sky Cinema plus 24, Sky Comedy, Sky Emotion, Sky Cinema Hits, Sky Nostalgie etc.
Die Banken schauen dem Treiben in gereizter Stimmung zu. Sie haben signalisiert, dass sie sie Williams nicht mehr viel Zeit geben, ein paar Schritte voranzukommen. Dann wollen sie Leistung sehen.