Von Klaus Boldt
Wenn Mark Williams (48) seinen Kommandostand etwas früher als gewöhnlich verlässt, was an einem Freitag schon einmal vorkommen mag, und sich nach Hause ins "Westin Grand Hotel" begibt und dort noch Fisch zu sich nimmt, gedünstet, weil er fette, braune Soßen verschmäht wie überhaupt alles Üppige und Überladene - dann kehren auf den Fluren und in den Sekretariaten seiner Firma für kurze Zeit Herzensfreude und Zukunftsglaube zurück. Korken schleudern mit übermütigem Knall an die Decke: Beim Bezahlkanal Premiere/Sky
ist die Stimmung so gedrückt, dass schon ein Glas Champagner sie jederzeit zu heben vermag.
Erst im September hatte Williams, ein Australier, die Führung der von Rupert Murdoch (78) beherrschten, aber wirtschaftlich heruntergekommenen Firma übernommen. Doch das Vertrauen, das die Überlebenskämpfer am Standort München-Unterföhring in ihn gesetzt hatten, scheint er schon verspielt zu haben. Die Zweifel am unternehmerischen Geschick des vorgeblichen Heilsbringers wachsen: Seine Personalpolitik wird in Belegschaft und Management als hanebüchen, seine Strategie als unglücksbringend gegeißelt.
Dabei hatte der Mann anfänglich sogar eine gute Szene, als er die Zahl der Premiere-Kunden kompromisslos auf 2,4 Millionen korrigierte. Vorgänger Michael Börnicke (48), ein Unglücksvogel, hatte der Öffentlichkeit noch etwas von 3,5 Millionen vorgegaukelt. Das ging nun nicht mehr, nachdem manager magazin im Mai 2008 von Tricksereien mit "Karteileichen" berichtet hatte, die fröhlich mitgezählt worden waren.
270 Millionen Euro Verlust hat der Betrieb im vergangenen Jahr eingespielt, bei Einnahmen von 941 Millionen Euro. Hauptaktionär Murdoch, der 30,5 Prozent der Anteile besitzt, musste jüngst zwei Kapitalerhöhungen von insgesamt 450 Millionen Euro absichern, um die Banken zur Genehmigung neuer Kredite über 525 Millionen Euro zu bewegen.
Um profitabel zu arbeiten, benötigt Premiere/Sky drei, besser 3,4 Millionen Abonnenten. Doch das zahlende Publikum schwindet: Im ersten Quartal verlor das im MDax notierte Unternehmen ein weiteres Prozent seiner Kundschaft, der Nettoverlust hat sich im Vorjahresvergleich auf 80 Millionen Euro fast verdreifacht. Im laufenden Jahr erwarten Analysten ein Minus von rund 330 Millionen Euro. Mit Gewinn sollten die Teilhaber nicht vor 2011 rechnen.
Das Geschäft mit dem Klub-TV läuft in Deutschland nicht. Dies hat viele Gründe, vor allem aber den, dass das Angebot frei empfangbarer Kanäle ständig größer und die Exklusivität von Premiere/Sky ständig kleiner wird. Die Verhältnisse sind grundsätzlich anders als etwa in England und Italien, wo Murdoch die Bezahlstationen British Sky Broadcasting
und Sky Italia betreibt - nicht erfolglos betreibt, aber auch bei Weitem nicht so erfolgreich, wie man es angesichts der fehlenden Konkurrenz erwarten dürfte.
Williams herrscht bei Premiere/Sky nach altem Besatzungsrecht, die Eingliederung von Premiere in das Murdoch-Reich folgt dem Hegemonialstil der 80er Jahre: Man marschiert ein und macht mit dem örtlichen Management nicht viel Federlesen. Es ist eine unvollkommene Technik und recht gefährlich, wenn sie nicht ordnungsgemäß angewandt wird.
© manager magazin 6/2009
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