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manager magazin



17.06.2009
 

Kommentar

Countdown für den Dollar

Von Henrik Müller

Die Zeit ist reif für ein neues globales Währungsarrangement. Denn das bisherige ist eine der Ursachen der derzeitigen Krise. Amerikas Gläubiger werden bereits unruhig - ein neuer Goldstandard könnte den Dollar als Weltwährung ablösen.

Vor ein paar Wochen machte mich ein hochrangiger amerikanischer Gesprächspartner auf eine interessante Statistik aufmerksam. "Gucken Sie sich mal die TIC-Daten an. Das dürfte Sie interessieren." TIC - das steht für Treasury International Capital System. Es ist die Datenbank, mittels deren sich das US-Finanzministerium einen Überblick darüber verschafft, bei wem Amerika eigentlich in der Kreide steht - der größte Schuldner der Welt offenbart seine Gläubiger.

Stürmische Zeiten für den US-Dollar: Ein neuer Goldstandard könnte das Währungssystem bereichern
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Stürmische Zeiten für den US-Dollar: Ein neuer Goldstandard könnte das Währungssystem bereichern

Endlose Zahlenkolonnen, in denen sich brisante Botschaften verbergen. Zum Beispiel diese: China, bislang wichtigster Finanzier der US-Defizite, wird zögerlicher. Über zwei Jahrzehnte hat die Volksrepublik einen gigantischen Berg von amerikanischen Staatsanleihen aufgetürmt. Doch jetzt bröckelt das Engagement: Zuletzt haben die Chinesen mehr ver- als gekauft. Anzeichen von Nervosität sind erkennbar.

Premier Wen Jiabao bekundete kürzlich, er sei besorgt angesichts der rapide steigenden US-Verschuldung. Fast zeitgleich brandmarkte Zentralbankchef Zhou Xiaochuan den Dollar Chart zeigen als instabile Weltreservewährung. Es sind kleine Erschütterungen einer großen tektonischen Verschiebung: weg von Amerika als Anker der Weltwirtschaft, weg vom Dollar als dominantem Weltgeld, weg vom US-Kapitalmarkt als Abladeplatz für einen Großteil der Überschüsse der Schwellenländer.

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Die Zeit ist reif für ein neues globales Währungsarrangement. Denn das bisherige ist eine der Ursachen der derzeitigen Krise. China und andere asiatische und arabische Staaten fluteten die US-Wirtschaft mit ihren Überschüssen. So konnten sich Immobilienblasen aufbauen, konnten sich die US-Konsumenten in eine Verschuldungsorgie steigern. Möglich war diese globale Geldumwälzpumpe nur, weil sich wichtige Schwellenländer am Dollar als Leitwährung orientieren.

Statt selbst aufzuwerten und so ihr übersprudelndes Wachstum zu dämpfen, kauften sie haufenweise Dollar-Papiere, was zur weltweiten Überhitzung beitrug. Entsprechend heftig ist jetzt die Rezession. Zu den Lehren aus der Krise gehört ganz klar eine Reform des Weltwährungssystems. Beim G20-Treffen Anfang April in London stand das Thema noch gar nicht auf der Agenda. Künftige Gipfel werden sich damit befassen müssen.

Wie kann, wie sollte ein solches System aussehen?

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