Günter Verheugen sieht das ähnlich. Der EU-Industriekommissar, der von sich sagt, das Thema CSR sei ihm "ein Herzensanliegen", glaubt, dass Manager und Unternehmer klar sehen, dass sie eine gesellschaftliche Verantwortung haben und sich deshalb nicht mal verbiegen müssen, um den gestiegenen Erwartungen nachzukommen. Denn letztlich könnten nur sozial verantwortlich geführte Unternehmen dauerhaft ökonomisch erfolgreich sein: CSR, systematisch integriert in alle Geschäftsaktivitäten und kontinuierlich gemanagt, "erhöht die Wettbewerbsfähigkeit, führt zu besseren Bewertungen bei Analysten und stärkt den Zusammenhalt im Unternehmen", sagt Verheugen.
Wegen der positiven Effekte auf den Kunden- wie auf den Kapitalmärkten will Bayer-Vorstand Wolfgang Plischke unbedingt an den rund 300 CSR-Programmen festhalten, die sein Unternehmen weltweit betreibt. Allen krisenbedingten Sparmaßnahmen zum Trotz will der Chemie- und Pharmamulti Bayer
weiter investieren in die ökologischen Konzepte für Firmengebäude und in das internationale Volunteering-Programm "Making Science Make Sense", das Grundschülern den Zugang zu Naturwissenschaften und Technik erleichtert.
Rund 50 Millionen Euro lässt sich der Konzern seine CSR-Aktivitäten jährlich kosten. "Eine Investition in unsere Reputation - und damit in unsere Zukunft", sagt Plischke. Das Geschäftsmodell - die Bayer-Produkte sollen nach Leverkusener Selbstverständnis Lösungen bieten für die großen Probleme wie die Alterung der Gesellschaft (Pharma), den Welthunger (Agrar) oder den Klimawandel (Kunststoffe) - könne nur funktionieren, wenn der Konzern insgesamt als Problemlöser anerkannt sei.
Das RWE-Management denkt in dieselbe Richtung. "Wie", fragt Vorstand Alwin Fitting, "sollten wir gesellschaftliche Akzeptanz schaffen für Zukunftsprojekte, etwa für neue Hochspannungsleitungen oder künftig für die unterirdische Lagerung von CO2, das wir zum Schutz des Klimas aus dem Rauchgas unserer thermischen Kraftwerke abtrennen wollen, wenn wir nicht allgemein gesellschaftlich akzeptiert sind?"
Die Bemühungen der Multis dienen inzwischen kleineren Firmen als Vorbild. Der rheinische Laborausrüster Qiagen
, notiert im TecDax
, will zum Beispiel in den nächsten fünf Jahren Testsets für eine bessere Krebsdiagnostik mit einem Marktwert von 30 Millionen Dollar an internationale Gesundheitsorganisationen und an Behörden in Entwicklungsländern spenden.
Ob die CSR-Aktivitäten tatsächlich die krisenbedingten Sparzwänge überleben, ob Europas Konzerne sich als Konfliktlöser in der Krise des Kapitalismus bewähren - mm wird die Entwicklungen aufmerksam verfolgen: Das nächste Good Company Ranking erscheint im Jahr 2011.