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manager magazin



17.04.2009
 

Weltwirtschaftskrise

Die Geldbombe

Von Henrik Müller

Nie wieder! Das war das Mantra der jungen Bundesrepublik nach Krieg und Währungsreform, auch in ökonomischen Dingen - nie wieder Inflation. Und jetzt? Jetzt warnen namhafte Ökonomen wieder vor einer möglichen "Hyperinflation" - nicht in desolaten Entwicklungsländern, sondern hier, im reichen Westen.

Es sind diese Bilder, die sich in das kollektive Gedächtnis geätzt haben: Kinder, die mit backsteingroßen Geldpaketen spielen wie mit Bauklötzen; Frauen, die den Ofen befeuern mit Bündeln von Scheinen, weil sie billiger sind als Briketts; Männer, die Haufen von Papiergeld wiegen lassen, weil zählen eine Ewigkeit dauern würde. Bilder, die das große nationalökonomische Trauma der Deutschen für Generationen im Bewusstsein speichern: Inflation. Zweimal binnen drei Jahrzehnten - 1923 und 1948 - verloren die Bürger ihre Geldvermögen, brach die monetäre Ordnung zusammen, musste ein überschuldeter Staat seinen Offenbarungseid leisten.

Nie wieder! Das war das Mantra der jungen Bundesrepublik nach Krieg und Währungsreform, auch in ökonomischen Dingen - nie wieder Inflation. Und jetzt?

Jetzt warnen namhafte Ökonomen wie Joachim Fels, Londoner Chefvolkswirt von Morgan Stanley, wieder vor einer möglichen "Hyperinflation" - nicht in desolaten Entwicklungsländern wie Simbabwe, sondern hier, im reichen Westen.

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"Angesichts der derzeitigen und noch kommenden wirtschaftlichen und finanziellen Probleme" und angesichts all des Geldes, das Notenbanken und Regierungen derzeit in die Wirtschaft pumpten, sollten die Bürger das Risiko einer Hyperinflation "nicht ignorieren", sondern sich darauf vorbereiten, meint Fels.

Hyperinflation - das bedeutet Geldentwertungsraten von 50 Prozent und mehr, pro Monat. Zahlen, die an 1922/1923 erinnern, als die Reichsmark monatlich 322 Prozent an Kaufkraft verlor. 133 Druckereien, 30 Papierfabriken und 29 Druckplattenfabriken waren damals damit beschäftigt, substanzlose Papierlappen herzustellen - 10 Milliarden Scheine im Nennwert von sagenhaften 400 Trillionen Mark binnen eines Jahres.

Die Folgen der Geldentwertung waren desaströs. "Deutschland", so der Princeton-Historiker Harold James, "versank in Anarchie." In Verteilungskämpfen und Gewalt und später in Radikalisierung und NS-Diktatur.

"Es gibt kein subtileres und besseres Mittel zum Sturz der bestehenden Gesellschaftsordnung als die Ruinierung der Währung", hatte John Maynard Keynes, der große Ökonom der Weltwirtschaftskrise, gewarnt. Und wie so häufig recht behalten.

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